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Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates in Meiningen (Historisches Ereignis)
  1917 bis 1919
  Beschreibung

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Die von den Revolutionen 1917 in Russland beeinflusste Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten in Deutschland wurde auch in Meiningen spürbar. Schon nach der Februarrevolution in Russland 1917 hatten in der deutschen Kriegsflotte Matrosen und Heizer mit Hungertreiks, Gehorsamsverweigerung etc. aufbegehrt. Nachdem im Vorjahr nach dem Petrograder Aufstand unter Lenin und den Bolschewiki in Russland eine „Diktatur des Proletariats“ errichtet worden ist, werden am 03.11.1918 auch in Kiel Arbeiter- und Soldatenräten gebildet. Am 09.11. kommt es in Berlin zum Generalstreik und bewaffneten Aufstand. Reichskanzler Max von Baden erklärt den Rücktritt Kaiser Wilhelms II., Philipp Scheidemann ruft die demokratische Deutsche Republik aus, Karl Liebknecht proklamiert kurze Zeit später die Freie Sozialistische Republik.

Ereignisse in Meiningen
Einen Tag später wird auch in Meiningen auf dem Kasernenhof des ehemaligen Infanterieregiments 32 ein Arbeiter- und Soldatenrat mit 2 Vorsitzenden und 10 Beisitzern gebildet. Auch drei Beschäftigte der Eisenbahn-Hauptwerkstätte werden in den Rat gewählt. Am 12.11.1918 wird Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen zur Abdankung gezwungen, zwei Tage später verzichtet auch Prinz Eugen auf den Thron, um der drohenden Verhaftung zu entgehen. Die Arbeiter- und Soldatenräte bewachen die wichtigen Gebäude der Stadt wie Bahnhof, Palais, Rathaus, Post und Schloss. Am 15. November treten einige Sozialdemokraten der bürgerlich-sozialdemokratischen Regierung bei, die vom ehemaligen herzoglichen Staatsminister von Türcke geleitet wird. Der Herzog erhält zum Verdruss der radikalen Linken eine Abfindung und eine Jahresrente. Auch im Herbst 1919 zeigt sich bei einem Streik der Eisenbahner, dass eine Mehrheit sich den radikalen politischen Plänen der kommunistischen Funktionäre verweigerte. Die Streikfront bricht zusammen und eine Beteiligung am Spartakusaufstand, mit dem eine Räterepublik durchgesetzt werden soll, kommt nicht zustande. Einige kommunistische Werksangehörige versuchen, mit einer Lok in den Direktionsbezirk Frankfurt zu fahren, um dort per Flugblatt zum Solidaritätsstreik aufzurufen, werden aber in Bebra verhaftet. Nach 14 Tagen kommen sie durch Streikandrohung der Meininger Eisenbahner wieder frei. Nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes im Frühjahr 1919 verliert die revolutionäre Massenbewegung an Dynamik und Anhängern. Generell verbreitete sich aber in der thüringischen Rhön revolutionäres Gedankengut stärker als in der katholisch geprägten bayerischen oder hessisch-preußischen Rhön, was u.a. damit zusammenhing, dass es in Thüringen mehr Industriestandorte gab und ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung somit zum „Proletariat“ gehörte.
 
Internet

Informationen zur Revolution von 1918/19 und Gründung der Weimarer Republik
 

 
Quellen:

Ebel, Jürgen Ulrich (Hrsg.): Das Dampflokwerk Meiningen. (Eisenbahn-Kurier-Special 50 H. 3/1998). Freiburg im Breisgau 1998. Besonders: Verheij-Schulz, Dorothea: Die Chronik der Eisenbahnwerkstatt in Meiningen. Die Zeit bis Kriegsende 1945. S.18-25.
 
Reichsbahnausbesserungswerk Helmut Scholz: Chronik des Raw "Helmut Scholz" Meiningen. Meiningen 1988.
 
www.wikipedia.de
 
http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/revolution/index.html
 

  AutorIn Anne Krenzer
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Ansehen
Karl Liebknecht stimmte als erster gegen Kriegkredite und wurde zur Symbolfigur der Kriegsgegner.
Quelle: www.wikipedia.de
SM Linienschiff Thüringen, eines der ersten Schlachtschiffe, auf dem eine Matrosen-Meuterei ausbrach.
Quelle: www.wikipedia.de
Orte (www.rhoen.de)
Meiningen
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