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Erlass des Reichserbhofgesetzes 1933 (Historisches Ereignis)
  1933 bis 1933
  Beschreibung

Erbhofgesetzt von 1933 beeinflusst Rassen- und Agrarpolitik in der Rhön
Mit dem sog. Reichserbhofgesetz vom 29.09.1933 wurde versucht, die Durchsetzung der „Blut und Boden“-Ideologie des Reichsbauernführers und Begründers der nationalsozialistischen Agrarpolitik Richard Walther Darré voranzutreiben. Auf „Muster-„ bzw. „Erbhöfen“ sollten Bauern angesiedelt werden, die der arischen Rasse angehörten, d.h. „deutschen oder wesensgleichen Blutes“ sein mussten, was sie u.a. durch einen bis ins Jahr 1800 zurückreichenden Stammbaum zu belegen hatten. Zugleich sollten Erbteilungen, die in der Rhön häufig waren, und die damit zusammenhängende „Zerstückelung“ von Besitz eingedämmt werden. Um als auserwählter Bauer zum „Blutquell des deutschen Volkes“ gehören zu dürfen, mussten Ehrbarkeit und politische Zuverlässigkeit nachgewiesen werden. Auf den mit staatlicher Unterstützung errichteten und bewirtschafteten Erbhöfen sollten also nur diejenigen leben, die sich als leistungsfähig, nationalsozialistisch gesinnt sowie „rassenseelisch und typenmäßig“ passend erwiesen. Mit dem Erbhofgesetz war also die „Umschichtung“ von Besitz, sprich die Enteignung und Absiedlung ungeeignet erscheinender Bauern verbunden. Durchgesetzt werden sollte dieses Ziel u.a. durch die Sippenkundliche und rassenbiologische Erfassung der Rhönbevölkerung, wie sie v.a. in Mainfranken statt fand.

Erbhöfe als ertragreiche nationalsozialistische Mustergüter
Als Erbhof wurde zur Zeit des Nationalsozialismus ein land- und forstwirtschaftlich genutzes Mustergut bezeichnet, das von einer Hofstelle aus, sprich von einem Grundeigentümer bzw. Verwalter, bewirtschaftet werden konnte. Dieser Eigentümer sollte eine „bauernfähige Person“ im oben beschriebenen Sinn sein, womit ein Großteil der Rhönbevölkerung, die entweder unpassende Rassenmerkmale oder unpassende Gesinnung aufwies, vom Besitz ausgeschlossen war. Die Besitzungen eines Erbhofes sollten ungefähr eine „Ackernahrung“ (ca. 6-15 Hektar) groß sein, also eine Fläche umfassen, die eine Familie unabhängig von Markt und allgemeiner Wirtschaftslage und ohne zusätzliche Nebenverdienste ernähren konnte. Daraus ergab sich ein Gebiet von mindestens ca. 7 und höchstens 125 Hektar. Da die Haupterwerbslandwirtschaft in der Rhön eher selten war und viele Höfe kleinere Parzellen bewirtschafteten, bedeutete die Schaffung der Musterhöfe auch Flurbereinigung und Grundstückszusammenlegungen.

Realität und Propaganda
Was eine erfolgreiche Durchsetzung dieser agrar- und rassenpolitischen Vorstellungen, die auch im Dr. Hellmuth-Plan aufgegriffen wurden, z.B. für die thüringische Rhön bedeutet hätte, verdeutlichen Berechungen des thüringischen Ministerpräsidenten Marschler. Marschler argumentiert gegen die Vorschläge seines Parteigenossen Otto Hellmuth: Bei einer Größe von 60 Morgen je Erbhof müssten 3860 Erbhöfe in der Rhön entstehen; tatsächlich gab es in 90 Rhöngemeinden aber 1000 Erbhöfe bei insgesamt ca. 10 000 viehhaltenden Betrieben. „Würde der Hellmuth’sche Plan zur Durchführung kommen, müßten 6200 Betriebe verschwinden (…) Daß (…) nicht 6200 Familien mit Angehörigen irgendwo im Osten oder Norden Deutschlands ohne weiteres angesiedelt werden können, ist (…) klar.“, schreibt Marschler 1934. In der Presse, so auch im Rhön- und Streuboten, wurde das Erbhofgesetz allerdings als Errungenschaft für die Bauern dargestellt: „Grund und Boden, der frühere Tummelplatz der Schacherer und Güterzertrümmler, sind geschützt durch das Erbhofgesetz, Bauern, die noch mit Schulden belastet sind, können noch bis Ende Juni einen Entschuldungsantrag stellen. Die Vieh- und Schweinepreise, die durch die unvernünftige Mehrzucht (…) hauptsächlich von den Großgrundbesitzern betrieben wird, können nur dann günstiger beeinflußt werden, wenn diese Herren zur Einsicht kommen.“
Tatsächlich entstanden in der Rhön nur wenige Erbhöfe im nationalsozialistischen Sinne – spätestens 1942/43 traten die Pläne Hellmuths und Marschlers hinter der Erfüllung landwirtschaftlicher Produktionsvorgaben zurück.
 
Internet

Reichserbhofgesetz als digitale Quelle
 

 
Quellen:

Zöller, Theodor: Meine Rhön. Bd.1. Beiträge zur Entwicklung der Rhön, der unterfränkischen Landwirtschaft und den Bodenkulturstelle Nordwestbayern Mellrichstadt. Ostheim 2004.
 
Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd.1.
 
Marschler, Willi: Denkschrift über die thüringische Rhön. Weimar 1934. Abgedruckt in Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Bd.2. Frankf
 
Rhön und Streubote vom 21.06.1934. Wiedergegeben in: Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Bd.2. Frankfurt/M. 1992. S.99/100.
 
http://www.verfassungen.de/de/de33-45/reichserbhof33.htm
 

  AutorIn Anne Krenzer
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Ansehen
Fragebogen zur Abstammung.
Quelle: Privatbesitz.
Richard Walther Darré, Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes, des Parteiamtes für Agrarpolitik und Reichsbauernführer, brachte das Reichserbhofgesetz auf den Weg.
Quelle: Foto reproduziert in: Hohmann, Joachim S.: Die hessische Rhön im "Dritten Reich". Hünfeld 1995.
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