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Amsel: Vom Wald- zum Stadtvogel (Flora & Fauna)
 
 Beschreibung

Die Amsel, richtig auch Schwarzdrossel genannt, ist unser häufigster und bekanntester Singvogel. Allein in Hessen gibt es derzeit etwa 500.000 Brutpaare. Noch vor 150 Jahren war die Amsel ein sehr scheuer Waldbewohner, der sich kaum einmal in die Nähe menschlicher Siedlungen vorwagte. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Heute hüpfen diese dunklen Drosselvögel auf jedem städtischen Bürgersteig vor den Füssen der Passanten einher. Diese Stadtamseln haben sich mit der Zeit von ihren ursprünglichen Waldbewohnern abgezweigt und sind echte Kulturfolger (Tiere, die sich dem Menschen anpassen) geworden. Begünstigt wurde die Neuansiedlung durch städtische Grünanlagen, Anpflanzung von Beeren tragenden Ziergehölzen und dem Aufkommen des ;englischen Gartenstiels in Form von feucht gehaltenen Zierrasenflächen. Jeder kennt das vertraute Bild einer Würmer suchenden Amsel auf der kurz gemähten Wiese. Zum Teil nahmen die Stadtamseln auch andere Verhaltensweisen an. Statt in niedrigen Büschen wird das Nest hoch unter dem Dach oder in einem Briefkasten angelegt. Machte man früher eine Brut, werden heute deren drei bis vier durchgezogen. Die den Amseln in die Stadt gefolgten Elstern füttern ihre Jungen oft mit den ersten Amselbruten. Da sorgen die nächsten Amselbruten für den Fortbestand und in der Tat nehmen die Amseln daher immer noch zu. Auch im Zugverhalten gibt es Unterschiede. Während die Waldamseln uns im Winter weitgehend Richtung Italien und Frankreich verlassen, halten die Stadtamseln im Winter bei uns die Stellung. Das Amsellied gehört zum melodischsten, was Vogelkehlen unseren Ohren zu bieten haben. Auch Wolfgang Amadeus Mozart hat sich von einer Amsel inspirieren lassen. Sein Divertimento Musikalischer Spaß (Köchelverzeichnis 522) lässt die typischen Singmelodien einer Amsel erkennen. Mozart hatte die kleine Amsel für vier Pfennige erworben und ein inniges Verhältnis zu ihr entwickelt. Als sie starb, zelebrierte Mozart eine Totenmesse. Er zog schwarz gekleidet mit Freunden in einer Prozession zum Grab des kleinen Vogels und sang ihm zu Ehren eine Hymne.


 Bedeutung

Die Amsel ist ein gutes Beispiel für eine Anpassung im Tierreich. Während bestimmte Vogelarten den Menschen meiden und damit nur wenigen Ornithologen (Vogelkundlern) zu Gesicht kommen, ist die Amsel ein dankbares Objekt für die Naturbeobachtung von Jedermann und bietet gerade Eltern mit Kindern eine dankbare Naturbeobachtungsmöglichkeit im eigenen Garten. Der Gesang ist unstrittig gut für die Seele und leitet neben dem Gesang der noch früheren Misteldrossel regelmäßig das Frühjahr ein. Auch solche Phänomene muß man festhalten. Arten, die heute häufig sind, waren es früher nicht und umgekehrt sind heute Arten selten, die früher häufig waren. Nur bei einer entsprechend dauerhaft angelegten Vogelbeobachtung sind solche Phänomene zeitlich zu erfassen und geben wertvolle Hinweise auf die Veränderungen in unserer Kulturlandschaft.


 AutorIn Joachim Jenrich
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Amsel
Quelle: Joachim Jenrich
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