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Bekassine: Die gefiederte Himmelsziege (Flora & Fauna)
 
 Beschreibung

Die Bekassine oder Kleine Sumpfschnepfe ist ein sonderlicher, etwa drosselgroßer Vogel. Einzigartig ist, dass sie mit dem Schwanz singen kann. Zur Balz gehört nicht nur Vokal-, sondern auch Instrumentalmusik. Das Männchen fliegt in einer Höhe von über 100 Metern mit flatternden Flügelschlägen horizontale Kreisbögen, die es plötzlich durch zehn bis fünfzehn Meter tiefe Sturzflüge unterbricht. Dabei werden die äußersten Schwanzfedern weit abgespreizt. Der Luftstrom versetzt die Federn in Schwingungen, wodurch ein Ton wie das Meckern einer Ziege entsteht. Dieser Instrumentallaut hat der Bekassine den Namen Himmelsziege eingebracht. Gewöhnlich sieht man den mit einer guten Tarnfarbe ausgestatteten Vogel erst beim Auffliegen, wo ein gedämpft klingendes "Ätsch" zu vernehmen ist. Einmalig ist auch die Flucht der Bekassine, die nicht gradlinig, sondern im Zickzackflug erfolgt. Die wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches früher stark bejagte Schnepfe konnte sich dadurch oft erfolgreich den Nachstellungen entziehen. Ein alter Jägervers lautet: Die Bekassine fliegt, die Kluge, dahin im schnellen Zickzackfluge, und dieses ist für sie ein Glück, schießt man auf Zack, ist sie auf Zick. Die Bekassine ist eine hoch spezialisierte Vogelart und auf Feuchtgebiete angewiesen. Bei der Nahrungssuche stochert die Schnepfe mit dem langen Schnabel mit schnellen Bewegungen in den Schlamm. An der Schnabelspitze befinden sich viele Tastsinneszellen, mit deren Hilfe Würmer und Larven im Boden ertastet werden. Sie ergreift ihre Beute mit der Schnabelspitze, saugt sie mit der Zunge nach oben in den Schlund und braucht dabei noch nicht mal den Schnabel aus dem Schlamm zu ziehen.

 Bedeutung

In der Rhön war die Bekassine früher weit verbreitet in feuchten Wiesen in den Bach- und Flußauen sowie auf der Hochrhön. Heute kommt sie vor allem noch auf den spät gemähten Wiesen in den Naturschutzgebieten auf der Hochrhön vor und erreicht dabei für bundesweite Verhältnisse hohe Dichten. Als Bodenbrüter leidet sie unter dem zunehmenden Predatorendruck der Wildschweine. Die Bekassine ist ein Indikator für artenreiche Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren, die ein Mikrorelief in der Fläche aufweisen. Seit vielen Jahren werden die Brutpaare erfaßt. In nicht mehr genutzten Feuchtwiesen kommt es innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Verbuschung mit Weiden und anderen Gehölzen. Hier kann die Bekassine nicht mehr leben, weil sie sich vor allem an offene Wiesen angepaßt hat. Damit ist sie ein guter Indikator für den Erhaltungszustand des feuchten Wiesengrünlands der Hochrhön.

 AutorIn Joachim Jenrich
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Bekassine
Quelle: Joachim Jenrich
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