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Geisa (Ort)
 
 Beschreibung

Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Geisa ist im Codex Eberhardi. Dort ist vermerkt, dass im Jahr 817- Abt Ratgar (802-817) von Kaiser Ludwig dem Frommen (814-840) im Tausch gegen Ibstadt („Ibistat") am Rhein die drei Meiereien Vacha, Geisa und Spahl ( ...."tres villicationes, una in vache, alteram in geisaha, tertiam in spanelo"...) erhielt. Ältestes Siedlungsgebiet ist der Gangolfiberg im Süden der Stadt. Es ist der einzige Ort in Thüringen mit einer erhaltenen mittelalterlichen Gerichtsstätte, dem sogenannten Zentgericht (Centgericht).
Erstmals wird 1302 in einer Urkunde Geisa als Stadt bezeichnet. Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg verleiht 1340 Geisa das Brau- und Schankrecht und das Vorrecht des Gewandschneidens.
Die Stadt wird von 1427 bis 1670 mehrfach verpfändet und wieder eingelöst. Während des Bauernkrieges versuchen aufständische Bauern aus der Tanner Gegend erfolglos Geisa zu erobern. Seit 1265 ist der Ort durch Mauern und Türme gesichert. Insgesamt 5 Türme und 2 Stadttore wurden errichtet und ein Graben vor den dicken Mauern ausgehoben, um mögliche Feinde abzuwehren. Ein Ausbau der Anlage fand Mitte des 16.Jh. statt. Die Stadttore wurden 1832 entfernt und auch die Gräben wurden im Laufe der Zeit zugeschüttet.
Nach mehrfachem Konfessionswechsel in der Zeit von 1524 bis 1634, entsprechend der Religion des Landesherren, kehrt die Bevölkerung Geisas letztendlich vom protestantischen zum alten katholischen Glauben zurück.
Zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ordnung wird 1848 auf Forderung der Einwohner eine Bürgerwehr gegründet, die jedoch nicht zum Einsatz kam und sich schon nach einigen Monaten wieder auflöst.
Am 23. Juni 1858 vernichtet ein Großbrand fast die gesamte Oberstadt. Auf dieses Ereignis begründet sich nach entsprechendem Gelöbnis ein alljährige Feier des Geisaer Brandfestes.
Im Sommer 1866 fanden Kämpfe der preußischen Mainarmee gegen die Hessen und Bayern in der thüringischen Rhön statt.
Bei einem erneuten Großbrand wurden am 28. April 1883 große Teile der Unterstadt ein Raub der Flammen.
Geisa erlebte in der 2. Hälfte und Anfang der 20. Jh. die typische Entwicklung deutscher Kleinstädte mit der Gründung von Wirtschafts- und Geselligkeitsvereinen und der Ansiedelung von kleineren Industriebetrieben (z. B. Korkstopfenschneiderei). Markante Punkte der Entwicklung sind außerdem: Saisonarbeit in anderen Regionen und Auswanderung (z. B. nach Amerika). Telegrafieanschluß nach Dermbach 1870. Probeexemplar der „Geisaer Volkszeitung" 1894. Wasserversorgung 1897. Eisenbahnstrecke Vacha - Geisa 1906. Eisenbahnstrecke Geisa - Tann 1909. Elektrizitätswerk Pfortenmühle und elektrische Stadtbeleuchtung 1909. „Geisaer Heimatglocken" (Mitteilungsblatt der evangelischen Gemeinde) 1913 -1923. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts finden viele Geisaer in der aufkommenden Kaliindustrie Beschäftigung
Im Zuge der inflationären Entwicklung 1921 lässt die Stadt Geisa zur Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs eigenes Notgeld drucken. Mit der Gründung des Landes Thüringen wird das Amtsgericht Geisa als Thüringisches Amtsgericht weitergeführt.
Nach Jahren zunehmender Arbeitslosigkeit erscheinen die Nationalsozialisten dem Volk als neuer Hoffnungsträger und siegen bei der Wahl am 12. November 1933. Die traditionell führende Zentrumspartei wird bedeutungslos.
Während der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wird auch in Geisa die jüdische Synagoge zerstört. Die Stadt Geisa bleibt zwar von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg verschont, doch sehr viele Einwohner sterben in dieser Zeit.
Am 2. April 1945 (Ostermontag) dringen die amerikanischen Truppen in das Geisaer Land vor und lassen sich zunächst am Rasdorfer Berg und Mittelberg nieder. Einen Tag später beginnt der Einmarsch der Amerikaner. Die Geisaer leisten dem wahnwitzigen Befehl zur Verteidigung jedoch keine Folge. Im Sommer verlassen die amerikanischen Besatzungstruppen wieder das Thüringer Land. Geisa wird nun sowjetische Besatzungszone.
Geisa schließt sich 1974 mit den umliegenden Dörfern Bermbach mit Borbels und Mieswarz, Borsch mit Lützenbachshof, Bremen mit Geblar und Otzbach, Buttlar, Geismar, Gerstengrund, Ketten mit Apfelbach und Walkes, Kranlucken, Motzlar mit Oberrothof, Reinhards, Schleid mit Unterrothof und Röderkirchhof, Spahl, Wenigentaft, Wiesenfeld und Zitters zu einem Gemeindeverband zusammen, der in etwa den Grenzen des ehemaligen Amtsgerichtsbezirkes entspricht.
Ende Oktober 1989 finden auch in Geisa montags abends regelmäßig Friedensgebete und anschließende Demonstrationen und Kundgebungen statt, um der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den bestehenden Verhältnissen Ausdruck zu verleihen.
Am 10. März 1990 wird die Städtepartnerschaft mit Hünfeld feierlich besiegelt. Heute ist Geisa Teil des aus der Gebietsreform hervorgegangenen Wartburgkreises im Freistaat Thüringen. Zur Stadt gehören nun auch die Orte Borsch, Lützenbachshof, Wiesenfeld, Bremen, Otzbach und Geblar. Dazu kamen später noch die Orte der Rockenstuhlgemeinde. Für die anderen Orte des Geisaer Amtes ist die Stadt erfüllende Gemeinde.

In der Geschichte des bis heute deutlich katholisch geprägten Agrar- und Kleingewerbestädtchens ist ausgerechnet die Reformationszeit besonders interessant. Nachdem Abt Philipp 1542 der neuen Lehre Eingang verschafft hatte, war ihr bald der überwiegende Teil der Bürgerschaft zugetan, und diese beschwerte sich sogar vor dem Reichstag gegen die gewaltsamen Methoden der Gegenreformation seit 1570, wurde aber vom Kaiser abgewiesen.
 Bedeutung

Geisa verdankt seine Stellung als Zentrum des mittleren Ulstergebiets wohl auch seiner günstigen Lage an der Straße Fulda-Salzungen. Neben dem schon vorhandenen Dorf Geisa soll Abt Berthold II. von Fulda 1265 eine Marktsiedlung gegründet haben.
Die ellipsenförmige Altstadt von 150 x 300 Metern weist ein rippenförmiges Straßensystem mit rechteckigem Markt im Zentrum auf. Von der Stadtmauer sind noch große Teile und einige Turmreste erhalten.
Die jetzige Stadtkirche, seit 1497 anstelle eines 1356 erwähnten Vorgängers errichtet, ist ein vierjochiger, zweischiffiger Bau mit polygonal geschlossenem Chor und fünfgeschossigem Westturm auf rechteckigem Grundriß. Mit ihr verfügt Geisa über eines der wenigen spätgotischen Denkmäler in der sonst vom Fuldaer Barock geprägten hiesigen Kulturlandschaft.
Auf dem Gangolfsberg, dem höchsten Punkt des Bergrückens, auf dem Geisa erbaut ist, wird schon 1461 eine Kapelle erwähnt. Die jetzt dort stehende Kirche aus dem 16. Jh. ist vor allem wegen ihrer Außenkanzel und ihrer Schnitzfiguren bemerkenswert.
Zwischen ihr und der Stadt steht das 1719 erbaute schlichte fuldaische Schloss. Es wird angenommen, dass sich hier schon die mittelalterliche Burg befand, in der auch die seit 1116 bezeugten Fuldaer Ministerialen von Geisa saßen. (Ausgrabungen von 1964/65 deuten darauf hin, dass der Bocksberg südlich von Geisa ebenfalls eine Burg getragen hat).
In der Nähe des Schlosses ist noch die von Linden beschattete Zentgerichtsstätte an der Setzung aufrecht stehender Steine zu erkennen.

Am Gangolfsberg bei Geisa erinnert ein Denkmal an Athanasius Kircher.


 
Internet

Geisa
 

 
Quellen:

Dr. Günther Wölfing
 Kleine Henneberger Landeskunde

 AutorIn Renate Remde
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Erleben
Museen
Gedenkstätte Rhön "Point Alpha"
Stadtmuseum Geisa
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