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Oberkatz (Ort)
 
 Beschreibung

Etwa 17 km westlich von Meiningen liegt Oberkatz.
Der Ort ist umgeben von Bergen und Höhenzügen. Der bekannteste Berg, die Hohe Geba liegt im Südosten ca. 5 km entfernt. Im Südwesten liegt ca. 2 km entfernt der Berg Diesburg und im Westen der Wünschberg. Am Fuß der Berge, etwa 300 m westlich, entspringt der Bach Katza, der dem Ort und dem Tal seinen Namen gibt. 3 km nördlich liegt Unterkatz.
Oberkatz soll aus mehreren Rittergütern entstanden sein, mit der ersten Erwähnung im Jahre 874.
Die alten Urkunden nennen nur "Kazza" bzw. "Kazaha in Kazahono marco". Nach Zickgraf gehörten die Katzorte bereits 1297 zum Amt Sand. Auch um 1350 wird Oberkatz als zum Amt Friedelshausen bzw. zum Amt Sand gerechnet. Von 1592 bis 1829 gehörte der Ort ebenso zu diesem Amt. 1829 bis 1869 gehörte er zum Verwaltungsamt Wasungen, von 1869 bis 1872 zum Verwaltungsamt Meiningen, seitdem zum Kreis Meiningen.

Neben den Henneberger Grafen hatten hier Besitzungen die Marschalk von Marisfeld, die Herren von Teufel, von Bratten, von Hohnberg, von Helba, von Butler, von Dietsch, von Strauch, von der Keer, von Heerda und von Auerochs sowie die Klöster Frauenbreitungen und Sinnershausen. Früher stand dicht am Ort die "Wolfsburg". Sie wurde von Eberhard von der Keer 1380 neu aufgebaut und befestigt, aber bereits 1397 von den Fürsten als Raubritterschloss zerstört. Als aber die von der Keer 1412 in das Hoheitsgebiet des Bischofs von Würzburg mit Gewalt eingefallen waren, ließ Bischof Johann diese Burg von seinen Söldnern erobern und erneut zerstören. Später wurde sie wieder aufgebaut und endgültig im Bauernkrieg zerstört.
Wiederholt führten die Einwohner langwierige Prozesse gegen die verschiedenen Grundherren, besonders wegen der Nutzungen der umfangreichen Waldungen, so 1535, 1572, 1593, 1596 und 1602.
Der Ort zähle 1584 55 Untertanen, 1631 31 Familien, 1649 12 Familien, 1790 57 Familien, 1840 396 Einwohner, 1900 363 Einwohner, 1946 438 Einwohner, 1964 369 Einwohner.
Haupterwerbszweig war jahrhundertelang die Landwirtschaft. Besonders wurde Winterweizen angebaut. Nach Gg. Brückner waren die Einwohner um die Mitte des 19. Jahrhunderts größtenteils verschuldet. Er behauptete, dass "Genusssucht und Mangel an Fleiß und Sparsamkeit" die Ursache der Verschuldung seien. Verschuldet waren die Bauern, weil sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts große Teile der Flur den Grundherren abkauften, denn diese Herren waren in Geldgeschäften brutal und rücksichtslos.
Um 1810 wohnten im Ort 43 Bauern, 13 Weber, 6 Wagner, 5 Schneider, 4 Metzger, 3 Hufschmiede, 3 Schuhmacher, 2 Müller, 1 Büttner, 1 Schreiner und etliche Tagelöhner. Der Ort bestand 1810 aus 72 Häuser; 1852 aus 75 Wohnhäuser; 1910 aus 88 Wohnhäusern, davon 7 nicht bewohnt. Im Ort gab es im 19. Jahrhundert zwei Mühlen, ein Wirtshaus und vier Jahrmärkte. Die Separation (Grundstückszusammenlegung) erfolgte von 1881 - 1888.
In der Umgebung liegen zwei Wüstungen. "Grimles" wird schon 812 und 868 urkundlich erwähnt. Diese Wüstung umfasste etwa 600 Acker Land. Sie wurde in Ober- und Untergrimles geteilt. Die so genannte "Silbergrube" ist der Beweis für hier im 17. Jahrhundert betriebenen Bergbau. "Hofried" war schon 1350 eine Wüstung.

Aus der Zeit von 1654 stammt eine "Zwölfer- und Gemeindeordnung". Um 1675 wurden die Gemeinde-Rechnungen von den beiden "Dorfvorstehern" Clement Scharfenberg und Caspar Bach geführt. Von 1575 bis 1836 war Rechnungsabschluss zu Michaelis (29. September). Um 1675 war Claus Eckardt Schultheiß. Eine Gemeindevertretung, "Zwölfer" genannt, ist seit 1675 nachweisbar. 1902 bestand der "Gemeinderat" aus sechs Mitgliedern.

Der Mittelpunkt der 852 erwähnten Mark Katz ist wohl nicht Oberkatz, sondern Unterkatz gewesen, das 874 nochmals urkundlich erscheint und das ältere der beiden Dörfer gewesen ist, von dem mehrere Tochtergründungen ausgingen. Im 13. Jahrhundert nannte sich ein Rittergeschlecht von Katz. Von den ehemaligen "Burgen", wohl nur kleinen Kemenaten des Niederadels in den zwei Dörfern, finden sich kaum noch Spuren.
Von bemerkenswerter Schönheit ist das 1844 erbaute Herrenhaus des Türkischen Rittergutes, das auf einer Erhebung des Dorfes steht.

Der Herzog Bernhard hat im Jahre 1705 Oberkatz das Marktrecht erteilt. Zu dieser Zeit wurden jährlich 4 Märkte abgehalten. In der Regel waren das Viehmärkte. Übrig geblieben ist bis zum heutigen Tag der Lichtmessmarkt, jedes Jahr am ersten Samstag im Februar. Die Attraktion ist ein in Erbsstroh gebundener Tanzbär mit Gefolge.

In beiden Orten, Oberkatz und Unterkatz, befand sich auch ein "Reithof".
Die schlichte Kirche von Oberkatz wurde 1618 errichtet und erhielt ihre heutige Gestalt vor allem durch einen Umbau von 1790.
Die Kirche weist eine malerische barocke Turmbekrönung auf , und zwar (wie in Unterkatz) eine Laterne zwischen zwei Schweifkuppeln.
 
Internet

Weitere Ortsinformationen
 

 
Quellen:

Dr. Günther Wölfing
 Kleine Henneberger Landeskunde

 AutorIn Renate Remde
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Ansehen
Blick auf Oberkatz
Quelle: Rhöngymnasium Kaltensundheim
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