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Vacha (Ort)
 
 Beschreibung

Vacha, die Stadt vor der Rhön oder "Rhönpforte" wie sie auch genannt wird, liegt zu Füßen der nördlichsten Rhönberge, wo die Oechse in die Werra fließt, direkt an der thüringisch-hessischen Grenze.
Der Name rührt vom althochdt. vah = Wehr, Fischreuse her.

Die Gründung geht auf keltische Besiedlung zurück, belegt durch zahlreiche Funde auf dem nahen Oechsenberg.
817 erfährt Vacha im Codex Eberhardi des Klosters Fulda seine erste Erwähnung.
Die heutigen Stadtteile Oberzella und Badelachen (1137 bzw. 786 genannt) gehörten dagegen zum Territorium des Klosters Hersfeld. Auch das frühere Rittergut Busengraben ist Ortsteil von Vacha.
1186 wird Vacha als Stadt (Oppidum) bezeichnet mit einer Brücke über die hier in drei Armen fließende Werra. Im Besitz der Abtei Fulda wurde unter Abt Konrad II. die Stadtgründung vollzogen. Somit war Vacha einer der ersten Orte, die in Thüringen Stadtrechte erhielten.
Begünstigt wurde dies durch seine Lage an der Straße von Fulda nach Thüringen bzw. von Frankfurt nach Leipzig, der Via Regia und an einem bedeutenden, 1186 bezeugten Werraübergang. Durch diese Furt konnte man nahezu ganzjährig den Fluss queren.
Die heutige steinerne Werrabrücke wurde 1342 an Stelle einer alten Holzbrücke erbaut. Ursprünglich zwei Brücken wurden nach 1600 als siebzehnbögiges Bauwerk zusammengefügt (seit der großen Instandsetzung kurz nach 1800 nur noch 14 Bögen), damit ist sie eine der längsten Sandsteinbrücken.
Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 erhielt sie den Namen "Brücke der Einheit".

Der alte Ortskern entwickelte sich um Kirche und sogenannte Kemenate. Daneben entstand im 12. Jahrhundert die Marktsiedlung mit dem Markt, über den im Mittelalter die Handelsstraßen führten. Vacha war schon im Mittelalter ein Verkehrsknotenpunkt.
Durch Vacha führte auch ein Pilgerpfad, der sogenannte "Jakobsweg" nach Santiago de Compostela !
Der um 1450 in Vacha geborene Servitenmönch Hermann König verfasste 1495 sein Wallfahrtsbüchlein "Die walfart und straß zu sant Jacob".

Abt Heinrich IV. ließ die Befestigung der Stadt im 13. Jahrhundert ausbauen. Ab 1406 gehörte dem Landgrafen von Hessen teilweise die Stadt.

Mit den Unruhen um den 20.4.1525 in und um Vacha begann der Bauernkrieg in Werratal und Rhön. Hier formierte sich auch der Werrahaufen, mit dem sich die Stadt kurzfristig verbündete. Aus Vacha stammt Hans Sippel, der Anführer des Werrahaufens. An ihn erinnert ein Bronzerelief an der Mauer der Burg Wendelstein.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit Vachas war der 1501 im "Goldenen Engel" geborene Reformator und Theologe Georg Witzel. Er führte Ostern 1525 die Reformation ein, kehrte selbst aber später zum Katholizismus zurück und war dann - aus Vacha vertrieben - einer der bedeutendsten Verfechter der kirchlichen Wiedervereinigung in Deutschland. Vacha blieb evangelisch.
1781 wird Johann Gottfried Seume in Vacha zum hessischen Militär geworben und 1813 zieht die geschlagene Armee Napoleons durchs Städtchen.

Ab 1648 gehörte die Stadt vollständig zu Hessen. 1806 kommt Vacha zum Königreich Westfalen und wird 1816 an das Großherzogtum Sachsen- Weimar- Eisenach abgegeben.

Für das 12. Jahrhundert lassen sich bereits einige wichtige Handwerke am Marktplatz nachweisen: Lohgerber, Schuhmacher, Schmiede und Töpfer. Am wichtigsten war aber das Tuchgewerbe, welches im 13./14. Jahrhundert die erste zünftlerische Vereinigung bildete.

Obwohl bei Stadtbränden 1467 und 1878 im Bereich südlich des Marktes ein Teil der Gebäude zerstört wurde, hat Vacha eine sehr alte Bausubstanz vorzuweisen. Teile von Kirche, Burg, Stadtmauer, Münze und Kemenate stammen noch aus dem 12. Jahrhundert.
Ein Wahrzeichen Vachas, den Storchenturm, errichtete man dagegen erst im 15. Jahrhundert.
Am Markt ist ein relativ geschlossenes Ensemble von Fachwerkhäusern, vor allem aus dem 15.-17. Jahrhundert, vorhanden.
Die alte Handelsstraße Via Regia, die durch die Stadt verläuft, sorgte für ein florierendes Leben. Den dabei erzielten Reichtum kann man angesichts der Fassaden der Fachwerkhäuser erahnen.
Die Altstadt stellt einen nach Süden gerichteten 420 m langen Kreissektor mit abgeschnittener Spitze von 300 und 190 m Breite dar. Die Straßen sind gitterförmig angelegt.
Am zentralen Straßenmarkt stehen die Widemark, ein dreigeschossiger Fachwerkbau in reichsten Zierformen mit Eck- und Seitenerker auf massivem Untergeschoss. Das Haus Widemark, seit 1911 Rathaus, wurde 1613 von Hans Weber aus Hersfeld für den landgräflichen Amtmann Caspar Widemarkter erbaut. Auch das große Foyer im Widemark-Haus ist sehenswert. Hier erzählen wunderschöne Wandmalereien wichtige Stationen der Stadtgeschichte, u.a. kann man das Menschenopfer beim Bau der Werrabrücke 1342, die Erstürmung des Servitenklosters im Bauernkrieg 1525 oder die Überlassung von Marktrechten durch Kaiser Maximilian 1508 besichtigen.
Außerdem findet sich hier der historische Ratskeller mit Wendeltreppe.
Vor dem Rathaus steht der ebenfalls 1613 erbaute, 1818 und 2004 erneuerte, Vitusbrunnen. Er besteht aus einem runden Sandsteinbecken mit Brunnenstock und Reliefs aus dem Leben der Stadtheiligen, gekrönt von der Figur des heiligen Vitus (Kopie).

Die seit der 2. Hälfte des 13. Jh. erbaute Befestigung mit Mauer, mehreren Türmen, zwei Toren, Wall und Graben hat sich in Teilen der Mauer und drei Türmen sowie Bergfried und Ringmauerresten der als Brückenkopf errichteten Stadtburg Wendelstein erhalten.
Von hier kontrollierten die Burgmannen der Äbte von Fulda sowohl den Werraübergang als auch die Stadt selbst.

Die alte Münze nahe dem Vitusbrunnen wurde durch Abt Hermann II. 1455 errichtet. Hier wurden einst tatsächlich Münzen geprägt. Das Münzrecht, die "Vecher Were", die den jeweiligen Abt mit Mitra zeigt, wurde von Fulda ausgeübt, wahrscheinlich bis 1648, dem Übergang der Landeshoheit auf Hessen.
Weitere sehenswerte Häuser im hessischen Fachwerkstil sind das bildhübsche Knusperhäuschen mit Andreaskreuzen und Sonnenrosetten ( 1501 bzw. 1600) und die Einhornapotheke (um 1780). Das Amtsgericht entstand 1908 anstelle des 1906 abgerissenen Rathauses.

In der Schulstraße findet man ein bis heute gut erhaltenes jüdisches Ritualbad. Außerdem existiert noch der jüdische Friedhof mit gut erhaltenen Grabsteinen.

Von der romanischen Stadtkirche steht noch der Turm am neuerbauten klassizistischen Kirchenschiff von 1821/24.
Der Chor der Friedhofskapelle ist ein Rest der Serviten-Klosterkirche aus dem 15. Jh. mit spätgotischen Wandfresken aus dem Jahr 1472. Die Serviten kamen zwischen 1368 und 1390 von Mariengart hierher. Nach der Besetzung ihres Klosters durch die aufständischen Bauern 1525 erfolgte bis 1527 die Säkularisation.
In den Händen der Mönche lag auch die Betreuung der Wallfahrtskapelle St. Annen (1440 genannt) auf dem gleichnamigen Bergrücken südlich Vacha. Erhalten sind die Ruine der Annenkapelle sowie die Umfassungsmauern auf drei Seiten des Rechteckbaus.

Die Entwicklung zur Industriestadt, vor allem auf der Grundlage des Kalibergbaus, war mit einem beträchtlichen Bevölkerungsanstieg verbunden (1890: 1447, 1946: 4383 Einwohner).
Über Vacha hinaus von Bedeutung ist das Ende der 1920er Jahre entstandene Gymnasium und das 1919 gegründete Kabelwerk, wichtigster Betrieb der Stadt, welcher nach der Wende 1989 in das neue Gewerbegebiet Vacha/Oberzella verlegt wurde.
In Vacha war auch bis kurz nach der Wende Eisenbahn-Haltepunkt.
Seit 1945 war Vacha eine Grenzstadt an der Deutsch-Deutschen Grenze, damit war die Stadt praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.
1989 wurde diese Grenze zwischen den Orten Vacha und Philippsthal wieder geöffnet.



 Bedeutung

Vacha, die älteste Stadt Südwestthüringens, ist ein Geheimtipp für historisch interessierte Besucher.
Seinen mittelalterlichen Charme hat sich Vacha bis heute bewahrt. Davon zeugt vor allem der Marktplatz mit seinen zahlreichen schönen Fachwerkhäusern. Nicht ohne Grund ist die Stadt Mitglied in der Deutschen Fachwerkstraße.
Die Widemark ist heute eines der schönsten Rathäuser Thüringens.

Die Stadt birgt kulturhistorische Schätze und Sehenswürdigkeiten wie man sie in der Region auf so engem Raum kein zweites Mal findet.
Die Burg "Wendelstein", einst Schutzburg der Stadt und Werrabrücke, ist heute Heimat des sehenswerten Stadtmuseums mit Thüringens größter Puppensammlung sowie einer Ausstellung zur Grenzgeschichte und beherbergt viele geschichtliche Zeugnisse, wie z.B. zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde der Stadt (seit 1323).

 
Lesen

Walter Höhn
 Thüringische Rhön
Dr. Hans Patze
 Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Bd.9. Thüringen
 
Internet

Ortsseite Stadt Vacha!
 

 
Quellen:

Dr. Günther Wölfing
 Kleine Henneberger Landeskunde
Voss,G. Bau- und Kunst- Denkmäler Thüringens.Heft XXXVII Grossherzogthum Sachsen- Weimar- Eisenach. Jena: G. Fischer, 1911
 
Südthüringer Zeitung
 STZ vor Ort v. 25.05 07 - Thomas Klemm

 AutorIn Renate Remde
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Ansehen
Stadtansicht Vache - Holzschnitt
Orte (www.rhoen.de)
Vacha
Erleben
Museen
Museum und Puppensammlung Burg Wendelstein
Anlagen
Stadtbefestigung von Vacha
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