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Fürstbischof Heinrich von Bibra
(Historische Persönlichkeit)
  1711 bis 1788
  Lebensgeschichte

Jugend und Aufstieg
Heinrich von Bibra wurde am 22. August 1711 als 7. Kind des Heinrich Karl und der Maria Johanna Theresia von Bibra auf Schloss Schnabelweid bei Kulmbach geboren. Sein Vater, ein Leutnant in fränkischen Diensten, konvertierte vom Lutertum zum Katholizismus. Der eigentlich auf den Namen Karl Sigismund getaufte „Heinrich“ wurde zunächst von einem Hauslehrer unterrichtet und studierte seit 1725 an der Universität Bamberg. 1729 trat er in das Stift Fulda ein, wo er ein Jahr später mit dem Ordensnamen Heinrich die Profess ablegte und damit in die benediktinische Ordensgemeinschaft eintrat. 1733 wurde Heinrich zum Subdiakon geweiht. Im gleichen Jahr ging er zum Studieren nach Rom und empfing nach seiner Rückkehr 1735 die Weihe zum Diakon und zum Priester. 1750 rückte von Bibra inst Stiftskapitel auf und wurde 1751 zum Vertreter des Abtes Amand von Buseck ernannt. Nach dessen Tod 1756 wurde Heinrich zunächst Forstpräsident, drei Jahre später machte ihn Fürstbischof Adalbert von Walderdorff zum Präsidenten der Hofrentkammer, also obersten Finazverwalter.

Heinrich von Bibra als Fürstbischof
Während der Wirren des Siebenjährigen Krieges um das von Preußen eroberte Schlesien, in den der größte teil Europas miteinbezogen wurde, stiegt Heinrich von Bibra zum Fürstbischof auf. Nach dem er am 22.Oktober 1759 mit allen Stimmen außer der eigenen gewählt wirden war, musste er nach Hammelburg fliehen, um der Gefangennahme zu entgehen. Er kam nach Fulda zurück, wann immer es die Situation zuließ, konnte aber erst 1763 nach dem Frieden von Hubertusburg endgültig zurückkehren. Nachdem 1764 vom Kaiser die Regalien des Hochstifts bestätigt worden waren, begann er die Ordnung in seinem Bistum wieder herzustellen. Auf einer Rundreise durch die Ämter prüfte er Kriegsschäden und rief daraufhin ein Bauprogramm ins Leben, das zugleich der Behebung der Arbeitslosigkeit diente.


Bautätigkeit und Reformen auf weltlichem Gebiet
In Brückenau wurde ein Kurpark mit Brunnenhaus und Unterkünfte für die immer zahlreicher werdenden Badegäste errichtet, alle wichtigen Verkehrswege, an deren Schnittpunkt Fulda lag, wurden in einem einmaligen Brückenbauprogramm wieder benutzbar gemacht und in Fulda eine neue Porzellanmanufaktur gegründet. Ab 1770 ließ von Bibra die Pfarrkirche St. Blasius neu bauen, ein Jahr später das zwischen Schloss und Hauptwache gelegene Paulustor vesetzen und den Bau der öffentlichen Bibliothek beginnen. Auf weltlichem Gebiet bemühte sich Heinrich von Bibra um wirtschaftliche Verbesserungen. Um die Situation der Tagelöhner zu erleichtern, wurde eine Reihe von Feiertagen abgeschafft und zu den ökonomischen Verhältnissen auf dem Land eigens Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse der Fürstbischof 1770 in der Schrift „Bauernphysik“ festhielt. Im Fuldischen Staatskalender erschienen Abhandlungen über Bienenzucht, Schafzucht, Viehzucht, Forstkultur und Ackerbau in allgemeinverständlicher Form. 1772 gründete von Bibra eine Landesökonomiekommission mit landwirtschaftlicher Musteranstalt. Auch als Förderer des Bergbaus, der Salinen bei Bad Salzschlirf und Großenlüder und des Weinbaus trat von Bibra hervor. Tuch- und Wollmanufakturen und die Garnspinnerein wurden reformiert, eine Umgestaltung des Zunftwesens dagegen scheiterte.

Reformen auf dem Gebiet von Kirche und Bildungswesen
Auf kirchlichem Gebiet gehörte von Bibra nicht zu den radikalen Aufklärer, leitete aber dennoch eine Reihe von Erneuerungen ein: 1762 erschein ein neuer Jugendkatechismus, 1765 ein Diözesanrituale (liturgisches Handbuch) und 1778 ein neues Gesangbuch. Die aufklärerischen Maßnahmen von Bibras, die er mit sittlichen Exzessen, Seuchengefahr und dem langen Fernbleiben von der Arbeit begründete, beschränkten sich auf das Verbot von Prozessionen, das gegen die bisherige Volksfrömmigkeit gerichtet war. Die Bildung des Klerus wurde durch Gründung des Bischöflichen Priesteseminars 1782 gefördert. Am bekanntesten ist Heinrich von Bibra aber durch seine Reform des Bildungswesens: Nachdem bereits bereits 1763 die Schulpflicht eingeführt worden war, nutze Heinrich von Bibra nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 den Umbruch, um 1781 eine Schulordnung für niedere Schulen herauszugeben. Er gründete eine Musterschule für die Lehrerausbildung in Fulda und eine Töchterschule.

Seine letzten Lebensjahre verbachte der Fürstbischof, der vermutlich an Fettsucht und Diabetes litt, in Einsamkeit und Krankheit. Als er 1788 starb, verzichtete er auf ein prunkvolles Grab und wurde vor der Kanzel beigesetzt. Angeblich soll er schon geahnt haben, dass die Säkularisation der Kirchengüter bevorstand und er der letzte Fürst unter Fuldas Bischöfen sein sollte.


  Bedeutung

Heinrich von Bibra orientierte sich während seiner Zeit als Fuldaer Fürstbischof am Gedanken der Nützlichkeit, was sich in nachhaltigen Reformen, besonders im Bereich der Wirtschaft und des Bildungswesens niederschlug.

 
Lesen

Michael Müller: Fürstbischof Heinrich von Bibra und die katholische Aufklärung im Hochstift Fulda (1759-88). Wandel und Kontinuität des kirchlichen Lebens. Fulda 2005.
 
 
Quellen:

Werner Schultheiß: Bibra, Freiherren von. In: Neue Deutsche Biographie. Bd.2. Berlin 1955. S.215/216.
 
Josef Leinweber: Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Frankfurt a.M. 1989. S. 159-163.
 
www.wikipedia.org
 

 AutorIn Anne Krenzer
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Ansehen
Heinrich von Bibra
Quelle: Kupferstich aus Calendarium Parum Capituli Fuldensis. Fulda 1779. Unter: www.wikipedia.de
Orte (www.rhoen.de)
Fulda, Stadt
Erleben
Museen
Dommuseum, Fulda
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