Kontakt Die Redaktion Das Projekt Artikel schreiben
Suchworte
Hans Burkhardt
(Historische Persönlichkeit)
  1891 bis 1945
  Lebensgeschichte

Dr. Hans Burckhardt, geboren am 13.09.1891, lebte in Sontra und war zunächst als Tierarzt tätig. 1928 trat er in die NSDAP ein und durchlief dort verschiedene Ämter, bevor er zum Fuldaer Landrat aufstieg. Er war Leiter des Bezirksrates Fulda-Hersfeld-Eschwege, NS-Gauinspektor für den Gau Kurhessen und ab 1934 stellvertretender Gauleiter neben Karl Weinrich. Seine fehlende juristische oder verwaltungsfachliche Ausbildung machte er durch Engagement für die Partei wett. Weiterhin saß Burckhardt im Aufsichtsrat des Überlandwerks Fulda, der Landkreditkasse zu Kassel und der Bäder AG Bad Salzschlirf.

Aufstieg im Dienste der Nationalsozialisten
Seit 1933 auch auf Kreiseben das „Führerprinzip“ durchgesetzt und die Gewaltenteilung aufgehoben wurde, erhielten die Landräte nach und nach die alleinige Entscheidunggewalt, während Kreistage und Kreisausschüsse beseitig wurden. Durch Gesetze und strategische Ämter-Besetzung wurden solche Beamte entfernt, die nicht arischer Abstammung oder politisch nicht konform waren. So ersetzte Burckhardt 1933 den seit 1921 amtierende Landrat Heinrich Freiherr von Gagern, der als gläubiger Katholik und Zentrumsmitglied den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. Bereits seit den frühen 1930er Jahren widmente Burckhardt seinen Repräsentationsaufgaben als Parteifunktionär viel Zeit, hielt Reden, nahm an Eröffnungen, Jahrfeiern und Fahnenweihen teil.

Aufgaben des Landrats
Als im Zusammenhang mit der Notverordnung „zum Schutz von Volk und Staat“ 1933 der Aufgabenbereich der Landräte erweitert wurde, hatte auch Burckhardt für die Ausschaltung von Staatsfeinden und Verbreitung von NS-Gedankengut zu sorgen. Im Kreis Fulda, wo die NSDAP bei der Reichstagswahl 1933 auf nur 18,6%, die Zentrumspartei dagegen auf 69,0% kam, war das keine leichte Aufgabe. Man setzte darauf, den Bürgern das Gefühl von Sicherheit nach einer Phase der Instabilität zu geben und verfolgte andererseits den Verkauf verbotener Zeitschriften und Bücher ebenso wie Anzeichen nicht parteikonformer Gesinnung – der Landrat entschied, ob in solchen Fällen Ermittlungen aufgenommen oder die Verfolgung eingestellt werden sollte. Er konnte Strafanzeige oder Meldung an die Staatspolizei erstatten, Verbote aussprechen und Veranstaltungen auflösen. Sowohl die evangelische „Bekennende Kirche“, Gegenbewegung zu den nazifreundlichen „Deutschen Christen“, als auch katholische Vereinigungen, die sich z.T. gegen den Beitritt zu NS-Organisationen aussprachen, wurden mit Misstrauen beobachtet. Mit Hilfe der Presse versuchte der Landrat über die Presse Druck auf die Bevölkerung auszuüben, so z.B. als 1933 denjenigen, die das Winterhilfswerk nicht unterstützen wollten gedroht wurde, sie öffentlich als „Verräter an der Volksgemeinschaft“ zu brandmarken. Seit 1934 war Burckhardt zuständig für „Judensachen“: Er ließ z.B. Aufstellungen über Gewerbe, Grundbesitz, Vermögen, schulpflichtige Kinder etc. anlegen und überwachte Ausreiseanträge und die zwangsweise Hinzufügung der Namen „Israel“ und „Sara“.

Burckhardt und der Rhönaufbauplan
In Bezug auf die Rhön befürwortete Burckhardt die Pläne des mainfränkischen Gauleiters Otto Hellmuth zur Rhönkultivierung, war aber skeptisch, was Einzelheiten wie die Ansiedlung von Musterhöfen auf der Hochrhön anging. Anders als Hellmuth betonte er in seinen Berichten stärker den wirtschaftlichen Aspekt und die Sorge um die „notleidenden Kleinbauern“ als den Blut- und Boden-Gedanken. Zentral gesteuerte und deshalb nur schleppend vorgangehende Projekte scheint Burckhardt eher abgelehnt zu haben, so kritisierte er z.B. 1935 die umständliche Vergabe von Krediten für Notstandsarbeiten (arbeitsbeschaffende Maßnahmen). Auch dass seit Einführung der Arbeitsdienstpflicht kaum Notstandsarbeiter zum Wegebau etc. eingesetzt wurden und die geplanten Grundstücksumlegungen nur schleppend vorangingen, missfiel Burckhardt. Anfang 1937 weigerte der „Rhönbeuaftragte“ sich gar, seinen regelmäßig zu liefernden Tätigkeitsbericht herauszugeben. Auf seiner verhältnismäßig niedrigen Hierarchiestufe beugte sich Burckhardt aber letzlich den Weisungen von oben: Seit 1936 musste er seine Ideen für die Rhön dem Vierjahresplan Hitlers zur Kriegsvorbereitung unterordnen, dann trat die Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft in den Vordergrund.
Dass Burckhardt seinen Posten im Kreis Fulda aufgeben musste, soll mit einem strategischen Fehler zusammenhängen: Seine Fahrt in den Erholungsurlaub „im großen Dienstwagen“ im Mai 1941 habe dem Ansehen seiner Partei geschadet (so der Historiker Joachim S. Homann). Burckhardt wurde durch Otto Feuerborn , den früheren Kreisbauernführer, ersetzt und erhielt als Regierungspräsident in Hohensalza/Warthegau eine neue Aufgabe.
 
Internet

Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat.
 

 
Quellen:

Stoll, Klaus H.: Die Landratsämter Fulda und Hünfeld in der NS-Zeit. In: Kreisausschuss des Landkreises Fulda (Hrsg.): Geschichte und Aufgaben des Landkreises Fulda. Monographie zum 175jährigen Kreisjubiläum. Fulda 1996.
 
Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd.1.
 

 AutorIn Anne Krenzer
 btn_white_zurueck
 

Ansehen
Hans Burckhardt, Landrat des Kreises Fulda 1933-1940.
Quelle: Foto reproduziert in: Hohmann, Joachim S.: Die hessische Rhön im "Dritten Reich". Hünfeld 1995.
  Kommentar hinzufügen