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Dr. Otto Hellmuth
(Historische Persönlichkeit)
  1886 bis 1968
  Lebensgeschichte

Dr. Otto Hellmuth war seit Oktober 1928 Gauleiter von Unterfranken, das später auf seine Veranlassung in Mainfranken umbenannt wurde, und somit zuständig für den südlichen Teil der Rhön. Der nach ihm benannte Plan zur Rhönkultivierung sah vor, die Rhön agrar- und rassenpolitisch im Sinne der nationalsozialistischen „Blut und Boden“-Ideologie umzugestalten.

„Völkische“ Gesinnung und Parteikarriere
Otto Hellmuth wurde am 22.07.1886 in Markt Einersheim als Sohn eines Oberbahnmeisters geboren. Er besuchte die Oberrealschule und meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger. 1918 wegen Gasvergiftung aus der Reichswehr entlassen, studierte Hellmuth Zahnmedizin in Freiburg und Würzburg, promovierte 1922 und ließ sich in Marktbreit als Zahnarzt nieder. Als 1919 in mehreren deutschen Städten Räterepubliken proklamiert wurden, gegen die die Reichsregierung Freikorps und die Reichswehr einsetzte, kämpfte Hellmuth im Volkswehrregiment „Würzburg“ gegen die Arbeiter- und Bauernräte. Er war Mitbegründer des völkischen Kampfbundes „Frankenland“, seit 1920 Mitglied im „Völkischen Schutz- und Trutzbund“ und wurde 1922 Mitglied der NSDAP. Das älteste Dokument, das von Hellmuths Parteikarriere zeugt, stammt vom 14.04.1923 als er als Ortsgruppenleiter von Pappenheim den Parteiausschluss eines Mitglieds vermerkte. Seit 1928 saß Hellmuth als Abgeordneter der NSDAP aus dem Gau Unterfranken im bayerischen Landtag, seit 1933 auch im Reichstag. Ein Jahr später wurde der Gauleiter zugleich Regierungspräsident von Unterfranken und Aschaffenburg, 1942 schließlich Reichsverteidigungskommissar. Der begeisterte Nationalsozialist erhielt 1941 das Kriegsverdienstkreuz für „zielbewußte Ausrichtung der kriegswichtigen Angelegenheiten in seinem Regierungsbezirk“, kurz darauf das Goldene Parteiabzeichen durch Hitler.
Aus seiner Gesinnung und Geltungssucht machte er keinen Hehl, was u.a. seine pompöse „nationalsozialistische Hochzeit“ im Wenzelssaal des Würzburger Schlosses mit der Zahnärztin Erna Maria Stamm zeigt.

Ein nicht vollstrecktes Todesurteil
Im Mai 1945 kam Hellmuth in Kriegsgefangenschaft, konnte aber fliehen und untertauchen. Er wurde 1947 in Wasum/Niedersachen festgenommen und am 10. Oktober durch den General Military Court in Dachau zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde mit Hellmuths Verantwortung für die Erschießung abgesprungener Flieger der Alliierten im November 1944 begründet. Vollstreckt wurde es allerdings nie: Nachdem die Todesstrafe 1951 zunächst in „lebenslänglich“ dann in 20jährige Zuchthausstrafe umgewandelt worden war, wurde der in Landsberg/Lech internierte Hellmuth 1955 begnadigt.
Hellmuth hatte noch kurz vor Kriegsende den „rücksichtlosen Einsatz der gesamten Bevölkerung“, sprich u.a. die Einberufung von Kindern und Greisen, vorangetrieben und in der Mainfränkischen Zeitung aufgefordert „unbeirrbar und haßerfüllt“ alles „für den Tag der Rache“ zu tun. Nach seiner Begnadigung scheute er sich nicht, Heimkehrer- und Kriegsgefangenenentschädigung zu beantragen, was aber schließlich vom Hessischen Verwaltungsgericht in Kassel abgelehnt wurde. Der Mann, der einst für Arisierung eingetreten war, Katholiken, Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten diffamiert und die Ermordung von „Minderwertigen“ oder „rassenhygienisch“ nicht einwandfreien Menschen mit befördert hatte, ließ sich als Zahnarzt in Reutlingen nieder, wo bis zum 20.04.1968 lebte.
 
Lesen

Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd.1. S.85-95.
 
 
Quellen:

Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd.1 und Bd.2.
 
Hohmann, Joachim S.: Die Rhön unterm Hakenkreuz : Ergebnisse eines Forschungsprojektes. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Jg. 40(1992) Nr.9. S. 853-863.
 
www.wikipedia.de
 

 AutorIn Anne Krenzer
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Ansehen
Zahnarzt Dr. Otto Konrad Hellmuth, seit den 20er Jahren für die NSDAP aktiv.
Quelle: Foto reproduziert in: Hohmann, Joachim S.: Die hessische Rhön im "Dritten Reich". Hünfeld 1995.
Gauleiter Otto Hellmuth, Träger des „Goldenen Parteiabzeichens“.
Quelle: Foto reproduziert in: Hohmann, Joachim S.: Die hessische Rhön im "Dritten Reich". Hünfeld 1995.
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