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Willi Marschler
(Historische Persönlichkeit)
  1927 bis 1945
  Lebensgeschichte

Machtaufbau in Thüringen
Willi Marschler, geboren am 12.08.1893 in Liegnitz (Schlesien), war seit den frühen 1920er Jahren Mitglied der SA und NSDAP. 1927 -1932 war er Stellverteter des thüringischen Gauleiters Fritz Sauckel. 1932 wurde er Finanz- und Wirtschaftsminister der ersten nationalsozialistisch geführten Landesregierung in Thüringen und war u.a. verantwortlich für das Arbeitsbeschaffungsprogramm. Ein Jahr später wurde Marschler thüringischer Ministerpräsident. Weitere Titel zeigen Marschlers Bedeutung im nationalsozialistischen Machtgefüge: 1934 wurde er Ehrenführer der SA, 1936 stiegt er vom Sturmführer zum Gruppen- bzw. Brigadeführer auf. Im Oktober 1939 erhielt Marschler als Gauleiter Macht über bisher polnische Gebiete. 1942 wurde er Gauhauptamtsleiter und Oberbereichsleiter, zwei Jahre später Hauptbereichsleiter.
Thüringen war im landwirtschaftlichen und touristischen Bereich schon früh aktiv, etwa mit bereits in den 1920ern begonnenen Kultivierungsarbeiten und der Werbung für das „Grüne Herz Deutschlands“. Auch hier hatte Marschler Einfluss als Leiter des Landesfremdenverkehrsverbandes, des Landwirtschaftsamtes für den Bereich Weimar und des Landesamtes für den Vierjahresplan (das Kriegsvorbereitungs-Programm Hitlers, das auf beschleunigte Rüstung und deutsche Autarkie zielte). Insgesamt war Marschlers Machtstellung vermutlich gefestigter als die seiner Kollegen in der bayerischen und hessisch-preußischen Rhön. Kommunisten und Sozialisten waren früh ausgeschaltet worden und von Seiten der Kirche gab es – im Gegensatz zu den anderen Rhöngebieten – kaum Widerstände gegen den Nationalsozialismus.

Konflikte mit dem mainfränkischen Gauleiter Hellmuth
Dem vom mainfränkischen Gauleiter Otto Hellmuth aufgestellten Rhönaufbauplan stand Marschler kritisch gegenüber. Er beanspruchte die alleinige Kompetenz für die thüringische Rhön und wandte sich besonders gegen die Darstellung der Rhön als kaltes und verarmtes Notstandsgebiet. In einer eigenen Pressekampagne präsentierte Marschler erfolgreiche Ödlandkultivierungen, Musterviehhaltung, Wegebauarbeiten und fröhliche, gesunde Menschen. Nachdem Hellmuth sich an höherer Stelle über Marschlers Einwände beschwert hatte, verfasste dieser 1934 eine „Denkschrift über die thüringische Rhön“. Marschler sprach sich gegen die hohen Kosten des Hellmuth-Planes ebenso aus wie gegen die geplanten Absiedlungen. Besser sei es, die Landwirtschaft zu fördern, zumal die Rhöner „ohne ihre Berge und ohne ihren Wald nicht leben“ könnten. Insbesondere kritisierte er die Behauptung Hellmuths, landwirtschaftliche Schwierigkeiten, Besitzzersplitterung und Wanderarbeit seien in der Rhön weit verbreitet und hätten ihre Ursache im unkoordiniertem und zaghaften Vorgehen der drei Staaten. Die Auseinandersetzung war im Grunde ein Machtkampf und hing zusammen mit Hellmuths Bestrebungen, Reichskommissar für den Rhönaufbau und damit Entscheidungsträger für die Gesamtrhön zu werden. Der Streit ging bis vor das Oberste Parteigericht der NSDAP und wurde schließlich auf Weisung Hitlers beendet. Auf einer Besichtigungsfahrt für Teilnehmer eines internationalen Kongresses 1935 konnte die Rhön dann als Musterbeispiel für die Politik auf Reichsebene präsentiert werden. Der Marschler-Plan für die thüringische Rhön wich allerdings in einigen Punkten von Hellmuths Plan ab, z.B. wurden keine erbbiologischen Durchmusterungen und keine Absiedlungsmaßnahmen durchgeführt.
 
Quellen:

http://www.shoa.de/content/view/544/105/
 
www.wikipedia.de
 
Marschler, Willi: Denkschrift über die thüringische Rhön. Weimar 1934. Abgedruckt in Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Bd.2. Frankfurt/M. 1992. S.61-73.
 
Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd. 1. und Bd.2. [Quellensammlung]
 

 AutorIn Anne Krenzer
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Ansehen
Willi Marschler, Ministerpräsident von Thüringen.
Quelle: Fotografie reproduziert in: Hohmann, Joachim S.: Die hessische Rhön im "Dritten Reich". Hünfeld 1995.
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