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Erinnerungen an die "Rhönhexe" Bettina Schlanze-Spitzner (Rhönhexe)
(Historische Persönlichkeit)
  23.05.1902 bis 07.08.1984
  Lebensgeschichte

„Wie eine, die ein bisschen daneben ist, redet ihr eigentlich nicht“, stellte ein Lkw-Fahrer fest, der Bettina Schlanze-Spitzner ein Stück Wegs mitnahm. Damit offenbart der einfache Mann, was viele Einheimische von der „Rhönhexe“ gedacht haben mögen, die von 1950 bis 1984 zusammen mit ihrem Ziehsohn Wolfgang Kensche in einem einsamen Häuschen ohne fließend Wasser und Strom am Franzosenweg in der bayerischen Hochrhön lebte.

Ein Leben ohne Gedichte, Bilder, Musik und Theater konnte Bettina Schlanze Spitzner sich schon als Kind nicht vorstellen. Die vielseitig begabte Künstlerin wurde am 23. Mai 1902 in Chemnitz geboren. Sie trat als Jugendliche als Theaterschauspielerin auf, schrieb Gedichte, wurde von Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal gefördert, absolvierte in den USA ein Orgelexamen und war eine leidenschaftliche Malerin. In Guatemala brachte sie 1924 ihre Tochter zur Welt, ließ sich scheiden und erkrankte 1927 an Leukämie. Nach ihrer Genesung zog die Künstlerin nach Berlin und 1942 nach Weyhers in der Rhön.
Wer das Bild einer weltabgewandten Einsiedlerin vor Augen hat, der wird nach genauer Betrachtung eines Besseren belehrt. Das entbehrungsreiche Leben in der Hochrhön hatte die Städterin gewählt, weil sie die Natur liebte. Oft empfing sie Besuch von Künstlerfreunden oder Wanderern und ihre Kunst schuf sie nicht um Geldes oder Ruhmes willen, sondern allein für sich. Von der Weite der Rhönhochebene inspiriert entstanden eindrucksvolle Gedichte und Bilder.

Nie hatte sie in ihrem Leben die leichten Wege gewählt, stets begab sie sich auf mühevolle, aber ehrliche Pfade auf der Suche nach ihrem wahren Ich.
Hoch oben in der Einsamkeit der Rhön erkannte sie mit endgültiger Gewissheit, dass hier der „wohltuendste, rechte Platz“ für ihr weiters Leben war. Hier wollte und hier würde sie zur Ruhe kommen. „Das ist es, was mir eigentlich immer fehlte – als Teil der Natur in der Natur zu leben, all die Eitelkeiten und Falschheiten es alltäglichen Lebens ablegen zu können, den Tag mit der Morgendämmerung zu beginnen und ihn ausklingen lassen mit einem Blick auf das riesige Sternenzelt über mir.“
In ihrem tiefsten Inneren fühlte sie „nicht in die Stadt, zu Theater und Film zu gehören, sondern zu einem erdhaften, naturnahem Dasein“, das ihrer eigentlichen Lebensgestaltung entsprach.

Bettina Schlanze Spitzner hat nach langer Suche in dem abgeschiedenen Häuschen hoch oben in der Rhön ihren lang gesuchten Frieden und ihre ersehnte Heimat gefunden. Die endlose Weite, die Hügel und Täler, die sanften Flußauen und die kleinen Dörfer der Rhön, alles so weit und herrlich, als ob das Auge all die Schönheit allein kaum aufnehmen könne, befriedigte ihr Verlangen nach „einem andern Leben, als das Streben nach Ansehen und materiellen Gütern“. Hier kam sie zur Ruhe nach dem bewegten Leben und starb am 7. August 1984 in ihrem geliebten Berghaus.
 
Internet

Literatur über Schlanze-Spitzner des Verlages Hofmann+Heine
 
Bettin Schlanze-Spitzner / Leben und Werk
 

 AutorIn Manfred Hempe
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Ansehen
Bettina Schlanze-Spitzner
Quelle: Internet
Ihr einsames Haus auf der Hochrhön
Quelle: Foto: Manfred Hempe
Ein Beipiel ihres künstlerischen Schaffens
Orte (www.rhoen.de)
Oberelsbach, Markt
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