Kontakt Die Redaktion Das Projekt Artikel schreiben
Suchworte
Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria in Fulda (Historische Stätte)
  1626 bis 1678
 
  Beschreibung

Zur Geschichte des Klosters und der Kirche
1626 gründet Fürstabt Johann Bernhard Schenck zu Schweinsberg (1623-32) in Fulda ein Benediktinerinnenkloster, um die katholische Gegenreformation in Fulda zu stärken. Während die Kirche erst im Rohbau steht, wird das Klostergebäude 1631 von den ersten Nonnen bezogen. Durch die Wirren der Zeit kann die Kirche erst 1678 fertig gestellt und geweiht werden.
Das bis heute existierende Kloster – seit 1898 Abtei – überstand die Säkularisation durch Schuldienst (1804-75) und ein zwölfjähriges Exil in Frankreich (1875-87).
Nach einer neugotischen Umgestaltungen (1868-71) bzw. im Beuroner Stil (1930-36), zerstört ein Bombeneinschlag 1944 die Dächer und Fenster.
Erst in den fünfziger Jahren werden neue Fenster eingebaut und das Kircheninnere zeitgemäß erneuert. Arbeiten der in der Abtei tätigen Künstlerin Sr. Lioba Munz (1913-97) bereichern heute die Ausstattung.

Das Äußere
Die hohe Westfassade gibt mit ihren spätgotischen Maßwerk- über Ovalfenstern und dem Renaissancegiebel mit Beschlagwerksformen, Voluten und halbrundem Schluss einen ersten Eindruck von der Abteikirche. Ein schlanker Dachreiter krönt das stark gelängte Kirchenschiff, an das sich südlich die Klosteranlagen anschließen.
Der schmale Zugang von der Nonnengasse führt zur einfachen Klosterpforte (1626) mit einer Figur des Hl. Josef, hinter der sich die Vorhalle der Kirche erstreckt. Erst 1677 fertig gestellt wurde das danebenliegende Kirchenportal mit gedrehten, von Weinlaub umrankten Säulen. Manieristische Motive wie Fratzen und Knorpelwerk treten hier neben barocke Fruchtgehänge, Akanthusblätter und Figuren. Zwei Putten als Schildhalter informieren über die Klostergründung und die Kirchenpatronin Maria. Diese wird mit dem Kind zwischen den Ordensheiligen Benedikt und Scholastika wiedergegeben.

Das Innere und seine Ausstattung
Die Kirche überrascht den Besucher durch eine nachgotische Weite und dem nur über eine steile Treppe nach dem Vorbild der Scala Santa im Vatikan erreichbaren Chor auf Höhe der Nonnenempore.
1964 schuf Sr. Lioba Munz den Dreiflügelaltar in der Chorapsis aus dunkler Mooreiche, vergoldetem Kupfer mit Email und Edelsteinen. Dargestellt wird der Erzengel Michael als Seelenwäger, darüber Christus mit einem Menschen im Arm. Der linke Flügel gibt den alttestamentlichen Traum Jakobs vor der Himmelsleiter wieder, rechts den nächtlichen Kampf Jakobs mit dem Engel des Herrn.
Nicht weniger kostbar ist das beidseitig ausgearbeitete große Hängekreuz am Triumphbogen des Chores, das mit „Blättern“ aus Nephrit als Lebensbaum gestaltet ist (1961).
Der südliche Seitenaltar zeigt einen kleinen Flügelaltar (um 1952) mit der Kreuzabnahme Christi, der nördliche ein frühbarockes Pestkreuz. Vom ehemaligen Hochaltar haben sich die Heiligenfiguren Benedikt und Scholastika sowie eine Muttergottes erhalten (um 1670). Weitere Arbeiten von Sr. Lioba Munz sind die Apostelleuchter, die Entwürfe der Glasfenster und das Grab der Äbtissin Maura Lilia.
  Bedeutung

Erst 1626 begonnen, verbinden sich in diesem Kirchenbau gotische mit renaissancehaft-frühbarocken Bauformen und Dimensionen. Als einzige Neugründung während des Dreißigjährigen Krieges bildet die Abteikirche St. Maria im Fuldaer Raum eine beachtenswerte Ausnahme. Ähnlich den Kirchenbauten Julius Echters gehen hier spätgotische Detailformen mit der zeitgemäßen Architektur eine gelungene Symbiose ein.
Daneben bieten heute die Ausstattungsstücke der Ordensschwester Lioba Munz ein lohnenswertes Ziel. Mit dem Rückgriff auf mittelalterliche Vorbilder und einer ausdrucksstarken Spiritualität gelingt der Künstlerin dabei ein Werk, das sich den Modeströmungen der Zeit entzieht.


 
Lesen

Erwin Sturm, Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes Bd. 3, Fulda 1984, 287-311.
 
Karen Schaelow-Weber, Die Benediktinerinnenabtei zur Hl. Maria in Fulda, Passau 2006
  (in Vorbereitung).
Lioba Munz (1913-1997), Benediktinerin und Künstlerin (Dokumentationen zur Stadtgeschichte Nr. 23), Fulda 2003.
 
Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria, Fulda. Geschichte und Baugeschichte, hg. v. der Abtei zur Hl. Maria in Fulda, Petersberg 2001.
 
 
Internet

www.abtei-fulda.de
  (Benediktinerinnenabtei zur Hl. Maria, 2005)

 AutorIn Schaelow-Weber
  btn_white_zurueck
 

Ansehen
Die Westfassade der Kirche vom Klostergarten aus
Quelle: schaelow-weber 2006
Flügelaltar im Chor von Sr. Lioba Munz, 1964
Quelle: schaelow-weber 2006
Innenansicht
Quelle: Abtei St. Maria, Fotograf Arnulf Müller, Poppenhausen
Orte (www.rhoen.de)
Fulda
  Kommentar hinzufügen