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Ehem. Karmelitenklosterkirche St. Petrus und Paulus in Bad Neustadt (Historische Stätte)
 
 
  Beschreibung

Ordens- und Kirchengeschichte:
1352 wurde in Neustadt/Saale ein Karmelitenkloster gegründet, das bis 1353 bezogen werden konnte. Der nach 1200 gegründete Bettelorden, der sich der volksnahen Seelsorge verschrieben hatte, nahm raschen Aufschwung. Nach dem Niedergang der Reformationszeit streng reformiert, ging es ab 1652 auch in Neustadt aufwärts. Der heruntergekommene Kirchenbau wurde ab 1679 mit einem neuem Dach versehen und restauriert. 1793-1834 ersatzweise als Pfarrkirche mit dem geänderten Patronat St. Peter und Paul genutzt, wurde das Kloster 1803 säkularisiert. Seit 1837/38 ist das Kirchengebäude in städtischen Besitz.

Zur Architektur:
Der unspektakuläre Außenbau fügt sich ein zwischen Rathaus und dem dreigeschossigen Klosterbau, einer Vierflügelanlage (Neubau 1691-1703, seit 1857 Bezirks-, später Amtsgericht). Entsprechend einem Bettelorden ist das zum Teil noch mittelalterliche Erscheinungsbild mit Spitzbogenfenstern im geraden Chorschluß, daneben Turmaufsatz mit Biforien und Spitzkegelhaube kaum verziert. Aus der Entstehungszeit erhalten haben sich auch die eisernen Türbeschläge des südwestlichen Hauptportals.
Im Inneren ist das barocke Erscheinungsbild der reichen Ausstattung vorherrschend. Ein großer, mit einer eindrucksvollen Kassettendecke (1680) gedeckter Saal mit leicht erhöhtem Chor und tiefer Orgelempore, dem ehem. Mönchschor, wird nordwestlich von einem rippengewölbtem Seitenschiff begleitet. Reste von Architekturmalerei (um 1600) finden sich unter anderem an den Scheidbögen.

Ausstattung:
Der jetzige Hochaltar mit der Verleihung des Skapuliers an den Ordensheiligen Simon von Stock zwischen den Karmeliterheiligen Elias und Elischa entstand 1723/24, die beiden Chorseitenaltäre (1733-37) für die Heiligen Joseph und Magdalena von Pazzis stehen im Übergang zum Rokoko. Das Seitenschiff birgt einen 14 Nothelfer-Altar (1741-48) und Kreuzaltar mit spätgotischem Kruzifix um 1460 (Altar 1709 von Frater Jacobus des Pazzis).
Gegenüber erhebt sich eine prachtvolle Kanzel, 1748-50 von Johann Joseph Kessler mit der Maria der Unbefleckten Empfängnis und Heiligen im Ordenszusammenhang geschaffen. Vom gleichen Künstler stammen auch der Altar der Annenkapelle (1748) mit den Heiligen Antonius und Wendelin sowie die beiden Tragefiguren Heiliger Sebastian (um 1754) und Joseph (um 1755). Vielfach sind an den Antependien der Altartische wertvolle Nadelarbeiten aus der Mitte des 18. Jh. angebracht. Die Orgel schuf 1722/23 der Würzburger Johann Ignaz Samuel Will. Als Andachtsräume dienen eine Loretokapelle (1746) und die Annenkapelle (um 1693).
Zahlreiche Grabdenkmäler des 16.-18. Jh. reihen sich an den Wänden, am eindrucksvollsten das für Ritter Dietz von Schneeberg und seine Frau Barbara, um 1500.
  Bedeutung

Äußerlich unscheinbar, zieht die Ausstattung der Barock und Rokokozeit den Besucher in ihren Bann. Als letzte erhaltene Karmeliterkirche Unterfrankens gehört sie sicherlich zu den sehenswertesten Bauten der Rhön.


 
Lesen

Zwicker, Stefanie, Romberg, Winfried, Die Karmelitenkirche zu Bad Neustadt a.d. Saale, Bad Neustadt 2002.
 
Benkert, Ludwig, Neue Nachrichten zur Geschichte des ehem. Karmeliterklosters Neustadt a.d. Saale (Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2004), S. 187-199.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Blick durch den Saalraum mit Kassettendecke zum Hochaltar
Quelle: schaelow-weber 2005
Grabdenkmal des Ritter Dietz von Schneeberg und Frau Barbara
Quelle: schaelow-weber 2005
Kanzel mit Figuren von Johann Joseph Kessler
Quelle: schaelow-weber 2005
Orte (www.rhoen.de)
Bad Neustadt a.d.S.
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