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Ehemalige Propstei in Zella (Historische Stätte)
  1715 bis 1718
 
  Beschreibung

Zur Geschichte der Propstei
1136 wird durch den Grafen Erpho von Nidhartishusen ein Benediktinerinnenkloster zu Ehren Mariens und Johannes des Täufers gegründet. Der Sage nach ließ er das Kloster an einer Stelle errichten, an der im Sommer Schnee lag.
In die gleiche Zeit dürfte auch eine erste Ansiedelung in Zella gehören, die aber erstmals 1194 erwähnt wird. 1186 wird das Kloster zur Abtei erhoben, zur ersten Äbtissin wird Irmentrud ernannt. 1284 durch den Fuldaer Abt zur Propstei erhoben, wird Zella im Bauernkrieg 1525 zerstört. Propst Johannes Lohr kann rechtzeitig nach Fulda fliehen, die Nonnen finden in Thulba Unterschlupf. Von diesem Schlag, aber auch der aufkommenden Reformation, kann sich Zella nicht mehr erholen, die Abtei wird 1550 aufgehoben. Die Propstei besteht dagegen weiter und wird erst mit der Säkularisation 1802 aufgehoben. Als großherzogliches Kammergut (Staatsdomäne) wird der Besitz weitergeführt. 1815 geht Zella aus Preußischen Besitz an Sachsen-Weimar-Eisenach über. 1914 gehen die Propsteigebäude durch Verkauf an die Gemeinde Zella über.

Baugeschichte
Über das Aussehen des mittelalterlichen Klostergebäudes ist nichts bekannt. Nach einem Brand 1669, bei dem auch die Kirche zerstört wird, entsteht der jetzige Bau im Auftrag des Propstes Adolph von Dalberg (1715-26, danach 1726-37 Fuldaer Fürstabt) 1715-18 durch den Fuldaer Hofbaumeister Andreas Gallasini.
Ein erneuter Brand zerstört 1758 ein Ökonomiegebäude. Mehrere Restaurierungen – 1969-70 der Außenbau, 1998 die Hofanlage, 2001-05 Keller, Teile des Erdgeschosses und Dachsanierung – sind auf dem Weg, das barocke Gebäude neu nutzen zu können.

Architektur und Ausstattung
Das von Gallasini erbaute Propsteigebäude ist eine zweigeschossige Dreiflügelanlage mit Mansarddach. Auf der Ostseite zum Garten hin hebt sich in der Mitte ein Portalrisalit mit Volutengiebel hervor, seitlich zwei vorspringende Türme mit kräftigem Gesims und zwiebelförmigen Schweifkuppeln. 15 bzw. auf der Hofseite 13 Fensterachsen gliedern die beiden Hauptansichtsseiten. Das Hauptportal in der Mitte zum Hof mit profilierter Rechteckumrahmung, Voluten und gebrochenem Segmentgiebel wird von einem Wappen des Fürstabts Konstantin von Buttlar (1714-26), darunter auf Scheitelstein dem Wappen Propst Adolph von Dalbergs mit Inschrift verziert. Im kürzeren Westflügel findet sich eine rundbogige Durchfahrt mit einem Löwenkopf als Schlussstein.
Im Inneren führt eine dreiläufige Treppe zum Festsaal mit stuckierter Voutendecke und Malereien Der Fuldaer Hofmaler Emanuel Wohlhaupter schuf hier um 1730 Darstellungen der vier Erdteile und vier Elemente um das Hauptbild von Bacchus und Ariadne. Weitere Gemälde Wohlhaupters finden sich im Treppenhaus.
Die sanierten Kellerräume und Teil des Erdgeschosses dienen seit 2003 für Ausstellungszwecke und als Informationsstelle des Biosphärenreservats Rhön.
  Bedeutung

Der Barockbau von Andreas Gallasini zeigt deutlich, welcher Machtanspruch auch bei unbedeutenden Propsteien über das barocke Äußere sichtbar werden kann. Zwar eher Bescheiden in den Architekturformen, beeindruckt das Propsteigebäude mit seiner imposanten Kirche schon von weitem. Die fortschreitende Sanierung des Gebäudes wird einen Teil des alten Glanzes wiederherstellen.
Übrigens, auch Johann Wolfgang von Goethe übernachtete hier am 8. April 1782.


 
Lesen

Heinrich Hahn, Dieter Möller, Die Thüringische Rhön, Fulda 1990.
 
R. Schmelz, Faltblätter zur Ortsgeschichte, Tourismus-Information Zella.
 
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
 
Internet

www.propstei-zella.de
  (über die Propstei, die Barockausstellung und den Förderverein)

 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Außenansicht
Quelle: schaelow-weber 2006
Asien-Darstellung im Festsaal, Emanuel Wohlhaupter
Quelle: schaelow-weber 2006
Blick durch den Dachstuhl
Quelle: schaelow-weber 2006
Orte (www.rhoen.de)
Zella/Rhön
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