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Evangelische Dorfkirche in Nordheim im Grabfeld (Historische Stätte)
  1710 bis 1711
 
  Beschreibung

Zur Ortsgeschichte
Nordheim im thüringischen Grabfeld wird erstmals 774 als Schenkung an das Kloster Fulda erwähnt. Es gehört damit zu den ältesten Orten im heutigen Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Als Ottonisches Krongut gelangt der Besitz im Mittelalter an die Herren von der Keer. Seit 1360 lassen sich die Freiherren von Stein in Nordheim nachweisen. Das mittelalterliche Haufendorf wird dabei mit einem einfachen Bering, Graben und drei Torhäuser gegen Feinde geschützt. Mit Aufhebung der Reichsritterschaft in Folge der Säkularisation 1808 kommt der Ort an Sachsen-Meiningen.

Der Kirchenbau und seine Baugeschichte
Der heutige barocke Kirchenbau wird 1710-11 neu errichtet, wobei auch Reste des Vorgängers einbezogen werden. Der östliche Chorturm geht zusammen mit der tonnengewölbten Sakristei im Kern auf das 14./15. Jh. zurück. Und auch die überbaute Vorhalle, deren vier Holzsäulen stilistisch in das 16. Jh. zu datieren sind, dürfte zwar ein Neubau, aber mit vorhandenen Elementen sein. Vermutlich handelt es sich bei den Holzteilen um Emporenreste des Vorgängerbaus.
Erst 2005 hergerichtet, zeigt sich der wehrhafte Eindruck des Kirchhofs mit Resten des einfachen Berings, Gaden und Torturm wieder deutlicher. Während das Obergeschoss des Torturmes 1825 abgetragen wurde, haben sich unter den Gaden zwei Keller mit Fachwerkaufsätzen erhalten.
Die westliche Eingangsseite wird vor allem durch den verputzten Vorbau mit offener Vorhalle geprägt. Dahinter folgt der äußerlich weiß verputze Saalraum mit großen Rechteckfenstern, auf der Südseite mit einem reliefierten Doppelwappen der Familien Stein und Rosenberg (16. Jh.). Im Inneren engen doppelte Emporen mit Marmorierung und christlichen Sprüchen sowie Patronatsstände den Saal nach Westen und Norden ein, der durch eine flache Bretterdecke mit seitlicher Schräge überdeckt wird. Der eingezogene Kirchturm birgt in seinem Inneren den Chor mit geradem Schluss, der sich mit einem überhohen, halbrunden Triumphbogen zum Kirchenschiff öffnet. Darüber erhebt sich der äußerlich aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderungen gestaltete Turm, dessen Glockengeschoss mit Schiefer umkleidet ist. Über der doppelten Zwiebelhaube mit Laterne weist ein Doppeladler auf die einst kaiserlichen Besitzverhältnisse.

Ausstattung
Der mit gedrehten und einfachen Säulenpaaren eingefasste Hochaltar wird 1718 angefertigt. Reiche Akanthusranken flankieren das Altarblatt mit der Kreuzigung Christi, im Auszug eine Darstellung des Heiligen Sebastian. Vom gleichen Künstler wird auch die Kanzel mit sechsseitigem Kanzelkorb, Christusbild und einer Figur des Auferstandenen auf dem Schalldeckel 1718/20 geschaffen. Die Kirche ist außerdem reich an teilweise bunt gefassten Epitaphen und Grabsteinen, darunter 13 Bildnisgrabsteine der Familie von Stein, überwiegend aus der 2. Hälfte des 16. Jh. Wiederholt findet sich daran das Kürzel des Meisters IH (vgl. Bibra, Ellingshausen, Meiningen und Ostheim vor der Rhön). Die Bronzegrabplatte für Caspar von Stein schuf 1633 der Meister G. Werter aus Coburg. Drei Marmorepitaphien haben sich aus dem 18. Jh. erhalten. Sicherlich noch aus dem Mittelalter stammt das steinerne Taufbecken, ebenso wie die kleine, spätgotische Pieta.
  Bedeutung

Wenn auch der Eindruck einer Wehrkirche am ehesten im Turm und dem Rest des Torturms deutlich wird, überrascht der ungewohnte Anblick der Eingangsseite mit offener Vorhalle. Durchwegs gelungen ist die innere Ausgestaltung mit barocken Emporen, Altar und Kanzel. Die zahlreichen Grabsteine und Epitaphien bieten einen schönen Überblick über die Grabkultur vergangener Zeiten.


 
Lesen

Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
Lieselotte u. Wolfgang Swietek, Dorfkirchen in Thüringen. Kleine Thüringen-Bibliothek, Erfurt 1992.
 
 
Internet

www.vg-grabfeld.de/gemeinden/gemeinde-nordheim.html
 

 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Der Hochaltar
Quelle: schaelow-weber 2006
Das Innere mit Blick zum Chor
Quelle: schaelow-weber 2006
Eingangsseite der Kirche mit Vorhalle
Quelle: schaelow-weber 2006
Orte (www.rhoen.de)
Nordheim
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