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Evangelische Kirche St. Marien in Unterweid (Historische Stätte)
 
 
  Beschreibung

Kirchen- und Baugeschichte
Eine Urkunde von 795 berichtet von der Schenkung eines Dorfes Weid (Uueithaha) an das Kloster Fulda, wobei möglicherweise auch Oberweid gemeint sein könnte. Weitere urkundliche Erwähnungen folgen 824 und 915, als erstmals beide Orte genannt werden.
Als Lehen an die Grafen von Henneberg übereignet, wird das Dorf 1343 durch den Fuldaer Abt an die Herren von der Tann verkauft. Aus dieser Zeit stammen auch weitere Nennungen Unterweids als „Nydem Weyta“ oder „Niderweitha“.
1488 wird ein Neubau der Marienkirche durch die Herren von der Tann vorgenommen, der schon im folgenden Jahr bei einem Raubzug Wilhelm von Herbstädts abgebrannt und zerstört wird. Der Wiederaufbau der kleinen Wehrkirche dürfte wenig später erfolgt sein, da sich Teile des Mauerwerks in das 16. Jh. datieren lassen.
Die Freundschaft Eberhard von der Tanns mit Martin Luther führt bereits 1540 zur Einführung des protestantischen Glaubens in Unterweid. Aus Furcht vor wachsendem katholischem Einfluss der Fuldaer Äbte wird die Unterweider Kirche 1614 nicht mehr Tann, sondern Oberweid angegliedert.
1719-21 kommt es durch die Sachsen-Weimarer Herzöge zu einem barocken Umbau mit Vergrößerung.

Lage und Äußeres
Unterweid liegt am Fuße des Weidberges. Der steil zum Dorf abfallende Kirchenhügel ermöglicht einen weiten Blick über das Dorf und die Umgebung. Im Westen und Süden eingefasst von einer einfachen Mauer aus Hausteinen leuchtet das weiß gefasste Mauerwerk der Kirche im starken Kontrast zu den roten Fenstergewänden und Eckquaderungen. Im Westen erhebt sich eine schlichte Giebelwand mit zweibahnigem Lanzettfenster unter einem Kreisfenster, die Seitenwände werden durch zweibahnige Lanzettfenster belichtet. Im Osten schließt sich der dreigeschossige Chorturm an, der über dem achteckigen Obergeschoss in einer Laterne zwischen zwei geschweiften Kuppeln mündet.
Über dem rechteckigen Eingangsportal weist ein Reliefstein mit der Ligatur „SE“ und „1719“ auf den Kirchenumbau unter den Sachsen-Weimar-Eisenacher Herzögen.

Das Innere
Der schlichte Kirchenraum wird von zwei hölzernen Kreuzgratgewölben überdeckt. Vor dem in den Turm eingebauten Chor, heute als Gemeinderaum umgenutzt, erheben sich über dem Altartisch eine Empore mit Balusterbrüstung und prachtvollem Orgelprospekt.
Die ältesten Ausstattungsteile der Kirche sind die spätgotische Altarmensa und ein Tabernakelschrein im ehemaligen Chor. Auch Reste eines gotischen Fenstergesimses haben sich erhalten. Der 1552 datierte Taufstein mit achteckigem Fuß und runder Schale, verziert mit spätgotischen Fischblasenornamenten und Kreuzformen, weist auf den vom gleichen Künstler geschaffenen Taufstein in der Evangelischen Kirche St. Michael in Oberweid.
Besonders beachtenswert ist die 1748 von Johann Ernst Döring aus Ostheim/Rhön errichtete Orgel mit reichem, neunteiligem Schauprospekt mit Akanthusschnitzereien im Spätbarock-Rokokodekor. Zwei Engel tragen im Zentrum das herzoglich sächsische Wappen. Die mechanische Schleifladenorgel wurde später von der Nachfolgefirma Otto Markert umgebaut.
  Bedeutung

Die evangelische Kirche in Unterweid ist ein typischer Vertreter einer spätmittelalterlichen Kirche mit Umgestaltung in bäuerlichen Barock-Rokokostil. Ihre über dem Dorf erhobene Lage und die typische Errichtung als Chorturmkirche weist auf die einst befestigte Lage hin, wie man sie im nahen Kaltensundheim beispielhaft vorfindet. Die prachtvolle Orgel Dürings aus Ostheimer Produktion gehört sicher zu den besonders beachtenswerten Musikinstrumenten des an Barockorgeln so reichen Südthüringer Raumes.


 
Lesen

Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
 
Internet

mehr Informationen
 

 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Blick auf die Kirche vom Dorf aus
Quelle: schaelow-weber 2005
Die Eingangsseite der Kirche
Quelle: schaelow-weber 2005
Blick auf Unterweid
Quelle: schaelow-weber 2005
Orte (www.rhoen.de)
Unterweid
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