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Evangelische Kirche St. Michael in Oberweid (Historische Stätte)
 
 
  Beschreibung

Zur Geschichte und Baugeschichte
Eine Urkunde von 795 berichtet von der Schenkung eines Dorfes Weid (Uueithaha) an das Kloster Fulda, wobei möglicherweise auch Unterweid gemeint sein könnte. Weitere urkundliche Erwähnungen folgen 824 und 915, als erstmals beide Orte genannt werden. Im Mittelalter kommt Oberweid als Lehen an die Henneberger.
Mit dem Übertritt Graf Georg Ernst von Hennebergs zum evangelisch-lutherischen Glauben 1544 wird auch Oberweid protestantisch. Erst mit dem Widererstarken des katholischen Glaubens, besonders vorangetrieben durch den Fuldaer Fürstabt Balthasar von Dermbach, erhält das Dorf 1612 eine eigene Pfarrstelle. Zuvor Filiale von Kaltenwestheim, werden Oberweid 1614 mit Unterweid und 1657 mit Frankenheim und Birx nun selbst Filialen zugeordnet.
Die heutige Kirche stammt im Kern aus dem 15. Jh., wobei sie über älteren Fundamenten errichtet wurde. Ältester Teil ist der Chorturm (1576), der später mit Holzfachwerk erhöht wurde. 1607 schließt sich eine Vergrößerung mit Umbau der Kirche an. Die letzte Außenrenovierung wird 1995-98 durch die Gemeinde geleistet.

Das Äußere
Im oberen Weidtal zwischen Kaltennordheim und Hilders gelegen, findet man die kleine, eher unscheinbare Pfarrkirche auf einer leichten Anhöhe inmitten des Dorfes. Strahlend weiß hebt sich der Außenputz vom rotbraun der rundbogigen Fensterumrahmungen, des Rundbogenportals und der Eckquaderung ab. An das rechteckige Langhaus fügt sich östlich ein quadratischer Turm mit Fachwerkobergeschoss und Satteldach an.

Das Innere und seine Ausstattung
Typisch für protestantische Dorfkirchen ist der Saalraum dreiseitig durch doppelte Emporen umstellt. Ein hoher, halbrunder Triumphbogen schließt östlich den eingezogenen Chorraum mit Orgelempore (Orgel von 1894) im Turm an. Von der ursprünglichen Ausgestaltung konnten vier Weihekreuze des 15. Jh. freigelegt werden. Ursprünglich dürften es wohl 12 (Apostel-)Kreuze gewesen sein.
Ein Taufstein von 1551, mit rundem Becken über achteckigem Fuß, ist mit Rosetten und dem Henneberger Wappen verziert (vgl. Taufstein in Evangelische Kirche St. Marien in Unterweid). Die schöne hölzerne Kanzel entstand 1601. Grabsteine des 17. Jh., darunter das des Pfarrers Johann Georg Kriegk (gest. 1652), haben im Chorraum Aufstellung gefunden.
Ein bleiverglastes Christusfenster im Chorhaupt wurde 1907 von Bankier Laue aus Münster (Westfalen) gestiftet. Auch der Gobelin neben der Kanzel ist eine Stiftung, 1931 von der Firma Sauermilch aus Oberweid. In abstrahierter Weise wird darauf das Gleichnis von den sieben klugen und sieben törichten Jungfrauen (Matth. 25) erzählt.
Das jüngste Ausstattungsstück, ein Kreuz aus Streckmetall und Stacheldraht von der ehem. Grenze, erinnert im Chor an die Deutsch-deutsche Teilung. Geschaffen durch den Oberweider Schmied Dieter Lange geht es auf eine Idee Pfarrer Rüdiger Stephans zurück, finanziell unterstützt durch Eckardt Fischer aus Hilders.
  Bedeutung

Die Kirche in Oberweid ist ein schlichter, kleiner Bau, der dennoch den Besuch lohnt. Die gut hergerichtete Pfarrkirche präsentiert mit ihrem Taufstein ein schönes Beispiel der frühen Neuzeit, das noch ganz im Geiste der Gotik steht. Wirklich selten sind auch die gemalten Weihekreuze an den Wänden. Ausgehend von ihnen spannt sich der Bogen der Ausstattung bis zum jüngsten Kreuz aus den Resten des Grenzzauns.


 
Lesen

Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
 
Internet

www.salzungen.elkth-online.de/kirche/
 

 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Außenansicht
Quelle: schaelow-weber 2005
Blick durch den Saalraum zum Chor
Quelle: schaelow-weber 2005
Spätgotischer Taufstein
Quelle: schaelow-weber 2005
Orte (www.rhoen.de)
Oberweid
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