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Evangelische Kirche in Diedorf (Historische Stätte)
  1785
 
  Beschreibung

Zur Ortsgeschichte
778 erstmals erwähnt, gehen bis 950 mehrere Güter in und um Diedorf durch Schenkung in Fuldaer Besitz über. Im 12. Jh. gehört der Ort den Grafen von Nithardishusen, nach ihnen den Herren von Frankenstein. 1342 erteilt Kaiser Ludwig der Bayer die Erlaubnis zur Befestigung des Dorfes und Abhaltung eines Wochenmarktes. Dennoch entwickelt sich Diedorf nicht zur Stadt. Ende des 14. Jh. wird der Ort an die Herren von der Tann verpfändet, 1445 bzw. 1483 an die Grafen von Henneberg. Nach deren Aussterben fällt Diedorf 1583 an die Herzöge von Sachsen-Weimar. In der Folgezeit kommt es im Streit mit der Abtei Fulda zu mehrfachem Besitzwechsel. 1764 geht Diedorf abschließend in Fuldaer Besitz zurück. Nach erneuten Wechseln in Folge der Säkularisation 1802/03 fällt der Ort 1815 an Sachsen-Weimar-Eisenach.

Zur Kirchen- und Baugeschichte
Ein sicheres Datum für die Kirchengründung fehlt, doch weist das Patrozinium an den Hl. Eremiten Antonius von Ägypten auf eine Entstehung in die Pestjahre des 14. Jh., vermutlich 1331, 1344 oder 1349. Die mittelalterliche Kirche brennt bei der Brandschatzung durch Isolanis Kroaten 1634 ab.
Nachdem auch der Nachfolgebau 1783 bei einem Brand zerstört wird, wird die heutige Kirche 1785 neu errichtet. Sie wird 1987/88 zuletzt restauriert.

Der Außenbau
Die hell verputzte Saalkirche mit rot abgesetzter Eckquaderung liegt auf einer steilen Anhöhe am oberen Ende des Ortes. So ist die nach Norden gerichtete Eingangsfassade als Schaufront durch Lisenen untergliedert und von einem Volutengiebel abgeschlossen. Darüber erhebt sich das verschieferte, quadratische Glockengeschoß mit bekrönender welscher Haube. Das Erbauungsjahr 1785 findet sich im Schlussstein des Portals wieder.

Das Innere und seine Ausstattung
Im Inneren zeigt sich die Kirche als typisches Beispiel einer protestantischen Barockkirche. Der einfache Saalraum, nach oben abgeschlossen durch eine Holztonne mit gemalter Kassettierung, wird an den Seitenwänden durch doppelte, an der Eingangsseite drei Emporen eingefasst.
Der Kanzelaltar mit den seitlichen Figuren der Heiligen Petrus und Johannes der Evangelist wird von einer durch die Kriegsknechte erweiterten Kreuzigungsgruppe bekrönt. Interessant ist dabei die große Ähnlichkeit zum Kanzelaltar der evangelischen Kirche in Dermbach. Zusammen mit der fünfteiligen Orgel wird die gesamte Kanzelwand 1785 in reichem Rokokodekor geschaffen.
Bereits 1605 ist der kelchförmige Taufstein mit Wappen entstanden, der 1970 aus Kaltensundheim hierher übertragen wird.
  Bedeutung

Die Diedorfer Kirche kann als Beispiel einer protestantischen Dorfkirche gelten, bei der das städtische Vorbild der Dermbacher Kirche auf vereinfachte und volkstümlichere Weise wiederholt wird. Auf Weitsicht hin angelegt, ist es das Zusammenspiel aus tiefer gelegenem Ortsbild und der darüber thronenden Kirche, die hier reizvoll variiert wird.


 
Lesen

Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Die Nordfassade
Quelle: schaelow-weber 2006
Blick auf die Kirche vom Friedhof aus
Quelle: schaelow-weber 2006
Das Eingangsportal der Kirche
Quelle: schaelow-weber 2006
Orte (www.rhoen.de)
Diedorf
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