Kontakt Die Redaktion Das Projekt Artikel schreiben
Suchworte
Evangelische Pfarrkirche St. Jacobi in Wiesenthal (Historische Stätte)
  1735 bis 1756
 
  Beschreibung

Zur Orts- und Kirchengeschichte
795 wird Wiesenthal als „Villa Uisuntaha“ in einer Urkunde des Klosters Fulda erstmals erwähnt. Während des 11. Jh. kommt das Dorf in den Besitz der Herren von Nithardshusen, wird 1186 zusammen mit dem Kloster Zella an Bischof Regenhard von Würzburg geschenkt. 1566 wird Wiesenthal als zweitreichstes Dorf im Amt Fischbach bezeichnet. Auf einen Brand 1616, der 2/3 des Dorfes zerstört, folgen die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und eine Pestepidemie.

Zur Baugeschichte der Kirche
Bei der 1517 überlieferten, dem Heiligen Jacobus d. Ä. geweihten Kirche handelt es sich um eine mittelalterliche Wehrkirche. Teile der Umfassungsmauern mit Schießscharten und Resten eines viereckigen Turms (Narrenturm) haben sich um den Friedhof erhalten. In deren Mitte soll sich in einem runden Wachturm eine geostete Kapelle mit westlich anschließendem Fachwerkhaus befunden haben.
Die heutige Chorturmkirche entsteht ab 1735 unter Einbeziehung eines Turmes aus dem Vorgängerbau des 16. Jh. Dabei wird der Neubau um die alte Kirche herum begonnen, denn noch 1739 kann ein letzter Gottesdienst in der alten Kirche gefeiert werden. Die Bauarbeiten werden 1756 mit der Weihe der Kirche abgeschlossen.

Der Außenbau
Die Jacobikirche liegt auf einer Anhöhe im Ort. Der kleine, weiß verputzte und mit roten Eckquaderungen und Fenstergewänden gestaltete Baukörper des Langhauses fügt sich an den viergeschossigen Chorturm mit verschieferter Zwiebelhaube und Laterne. Mehrere Grabsteine des 17. Jh. sind an der äußeren Kirchenwand angefügt.
Hier genannt werden muss auch ein gusseisernes Kruzifix mit Inschrift für neun Bayerische und elf Preußische Gefallene, die bei Gefechten am 3. und 4. Juli 1866 nahe Roßdorf ihr Leben ließen (vgl. Roßdorf).

Das Innere und die Ausstattung
Im Inneren wird der Saalraum durch eine Holztonne überwölbt. Doppelemporen, im Westen durch eine weitere Empore mit Balusterbrüstung ergänzt, umfassen den Saal. Die barocke Kanzel ist mit Figuren der Evangelisten und Christus Salvator geschmückt. Ein hölzernes Kruzifix des 14. Jh., heute auf dem Altar aufgestellt, soll aus der nicht erhaltenen Wallfahrtskapelle bei Hartschwinden gekommen sein. Der farbig gefasste Taufstein von 1599 ist mit nachgotischen Ornamenten geschmückt. Die Orgel aus der Mitte des 18. Jh. ersetzt einen bereits 1672 vorhandenen Vorgänger.
  Bedeutung

Die spätmittelalterlichen Reste der Wehrkirche wie auch der ländliche Barockbau mit seiner schönen Ausstattung machen einen Besuch in Wiesenthal lohnenswert. Doch auch das Grabkreuz für Bayerische und Preussische Soldaten ist nicht nur als Gußeisenarbeit interessant – es fällt schwer, sich in dieser so friedlichen Landschaft tödlichen Schlachtenlärm vorzustellen.


 
Lesen

Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
  btn_white_zurueck
 

Ansehen
Gedenkkreuz für die Gefallenen von 1866
Quelle: schaelow-weber 2006
Blick auf den Chorturm
Quelle: schaelow-weber 2006
Blick auf die Kirche
Quelle: schaelow-weber 2006
Orte (www.rhoen.de)
Wiesenthal
  Kommentar hinzufügen