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Evangelische St. Laurentiuskirche in Oechsen (Historische Stätte)
  1508 bis 1801
 
  Beschreibung

Zur Geschichte
Das kleine Haufendorf Oechsen in der kuppigen Rhön wird schon 977 erwähnt. Das Rasdorfer Kloster besitzt hier verschiedene Güter. Da die Laurentiuskirche durch Rasdorf errichtet wurde, hatten die Einwohner Zinsen an das Kloster zu zahlen. Mit dem Bau der Schöneburg um 1200 oberhalb des Ortes versucht Erpho von Nithardishusen, in Oechsen Einfluss zu gewinnen, darf aber keine Rechte über die Bauern ausüben. In der Reformation evangelisch geworden, verhinderte der Landgraf von Hessen alle gegenreformatorischen Bemühungen durch die Jesuiten aus Rasdorf. Bis 1815 bleibt Oechsen mit seiner reformierten Kirche bei Hessen.
Von der mittelalterlichen Wehrkirche hat sich der 1508 errichtete Chorturm erhalten, der 1586 verändert und 1717 erhöht wurde. Ursprünglich soll er als Wehrturm gedient haben, dessen Zugang erhöht nur über eine Leiter möglich gewesen sein soll. Das 1576 angefügte Langhaus wird um 1800 als zu klein abgerissen und 1801 durch einen Neubau des Maurermeisters Johann Georg Enders aus Völkershausen ersetzt. Durch die neue Innenausgestaltung hat der gotische Altarraum im Turm als Chor ausgedient.

Lage und Außenbau
Oberhalb des erhöhten Dorfplatzes trifft man am Ortsrand in Hanglage auf den ummauerten Friedhof und die Kirche. Ganz aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung gearbeitet, wird der massive Kirchturm mit kleinen Schießscharten und spitzbogigen Doppelfenstern nach oben durch ein verschiefertes Fachwerkoktogon mit welscher Haube abgeschlossen. An den Turm schließt sich das Langhaus mit Walmdach und fünf Fensterachsen, dessen Westfassade mit Ecklisenen und Kranzgesims von einem profilierten Rechteckportal mit klassizistischen Türflügeln geprägt wird. Eine Inschrift gibt Auskunft über Stifter und Baumeister.

Das Innere und die Ausstattung
Bemerkenswert ist die einheitliche Innenraumgestaltung in klassizistisch kühlen Farben. Umlaufende Doppelemporen und eine Holztonne mit gemalter Kassettierung fassen den Saalraum ein. Heute hinter der Kanzelwand verborgen, besitzt der ehemalige Chor im Turmuntergeschoss noch sein spätgotisches Kreuzrippengewölbe. Am einstigen Triumphbogen und den gotischen Fenstergewänden haben sich Reste gemalter Rollwerkrahmung erhalten. Heute nur noch als Orgelaufgang genutzt, findet sich in dem Raum noch eine rechteckige und mit Rundstäben gerahmte Sakramentsnische (1. Hälfte 16. Jh.) mit einem beigefügten Kreuz von 1717.
Die aus einem Kanzelaltar und über der Orgelempore liegende Orgel gestaltete Kanzelwand bildet das Zentrum der Kirche. Der Kanzelkorb mit Profilierungen und Säulchen wird seitlich von zwei übereinander liegenden Säulenpaaren hinterfasst. Der gesprengte Giebel des Kanzelaltars leitet über zum neunteiligen Orgelprospekt mit dem von Löwen flankierten hessischen Wappen. Posaune blasende Engel und seitliche Akanthusranken lassen die Orgel in spätbarocker Tradition erstrahlen. Als ehemals reformierte Kirche fehlt der Taufstein, da die Taufe am Altar gespendet wurde.
  Bedeutung

Von der einstigen Wehrkirche haben sich nur der Kirchturm und die Ummauerung um den Friedhof erhalten. Dagegen ist der heutige Saalbau ein gelungenes Beispiel einer evangelisch-reformierten Kirche im spätbarock-klassizistischem Gewand.


 
Lesen

Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
Heinrich Hahn, Dieter Möller, Die Thüringische Rhön, Fulda 1990.
 
Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Der spätmittelalterliche Kirchturm
Quelle: schaelow-weber 2006
Die Engangsfassade der Kirche
Quelle: schaelow-weber 2006
Im Kircheninneren
Quelle: schaelow-weber 2006, nach Kirchgemeinde Oechsen
Orte (www.rhoen.de)
Oechsen
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