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Evangelische Wehrkirche in Kaltensundheim (Historische Stätte)
  1604 bis 1683
 
  Beschreibung

Kirchen- und Baugeschichte
Erstmals wird Kaltensundheim 795 erwähnt, doch dürfte das Dorf vermutlich schon älter sein. Eine mittelalterliche Kapelle oder Kirche soll dem Hl. Albanus geweiht gewesen sein. Sie wurde 1495 durch einen Kirchenneubau ersetzt. 1604 folgte der neue, rechteckige Saalraum der seit 1552 protestantischen Kirche.

Die Wehranlage
Schon von weitem sichtbar ist die Kirchenburg, die am Nordostrand des Ortes auf einem mächtigen Kalksteinfelsen thront. Die Befestigungsanlage einer Burg, wie sie als Vorgänger vermutet wird, ist jedoch nicht sicher belegt. Von einer 6-7 m hohen, fast quadratisch angelegten Wehrmauer eingefasst, wurde die Wehrkirche mit ihrem gedrungenen Turm ursprünglich durch vier Wehrtürme geschützt. So hielt bei dem Angriff der Kroaten unter Isolani die Anlage 1634 zunächst Stand, während das Dorf geplündert wurde. Doch wurde später auch der Kirchhof erstürmt.
Vom Dorf aus führt der Weg durch ein Torhaus, die ehemalige alte Schule, zur Kirche. Der am besten erhaltene Wehrturm findet sich im Nordosten. Das Friedhofstor in der Ostmauer wurde erst nachträglich eingebrochen, wie Inschriftensteine von 1600, 1727 und 1826 belegen.

Der Kirchenbau und seine Ausstattung
Die Wehrkirche gehört zum Typus einer Chorturmkirche mit angebautem Langhaus. Für die Region eher ungewöhnlich ist der Staffelgiebel mit Satteldach auf dem Turm. Im Nordosten schließt sich ein kleiner Sakristeianbau an.
Der rechteckige Saalraum wird von dreiseitig umlaufenden Emporen aus der Bauzeit um 1604 eingefasst. Im Osten schließt die Orgelempore an. Beim Einbau der prachtvollen Orgel 1683 beseitigte man das ursprüngliche Kreuzgratgewölbe im eingezogenen Chor im Turm.
Reich ornamentiert und figuriert ist der elfteilige Barockprospekt der Orgel mit sächsischem Wappen, dessen ursprüngliches Werk (1700, evtl. von C. Hart, Kaltensundheim) um 1800 aus der Meininger Stadtkirche hierher gebracht wurde. 1869 wurde sie durch J. Hofmann erweitert, zuletzt 1993-96 teilrestauriert.
Noch aus der alten Kirche stammt der Altar von 1458. Ein Taufstein von 1440 wurde wieder in Betrieb genommen, dafür eine Taufschale und Kanne aus Kupfer neu gestaltet.
Auch für die Geschichte der Musikerfamilie Bach ist die Kaltensundheimer Kirche von Bedeutung: In ihr wurden am 28. Januar 1626 Caspar Bach d. Ä. und Susanna Markert getraut.
  Bedeutung

Bis heute eindrucksvoll ist der wehrhafte Kirche mit ihrer Wehranlage, die malerisch über den Ort hinausblickt. Kaltensundheim gehörte einst zu den besonders stark befestigten Dörfern der Rhön, ehemals zusätzlich noch mit einer Umwehrung ausgestattet. Im Inneren bietet die Orgel mit ihrem prächtigen Schauprospekt zu den besonders sehens- und hörenswerten Barockorgeln Südthüringens.


 
Lesen

Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Blick auf die Kirche vom Friedhof aus
Quelle: schaelow-weber 2005
Die Kirche von Südosten
Quelle: schaelow-weber 2005
Das Torhaus der Kirchenburg
Quelle: schaelow-weber 2005
Orte (www.rhoen.de)
Kaltensundheim
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