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Kirchen in Kaltennordheim (Historische Stätte)
 
 
  Beschreibung

Zur Ortsgeschichte
795 wird „Nordheim im Tullifeld“ als Fuldaer Besitz erstmals erwähnt. Doch erst im 14. Jh. ist der Name Kaltennordheim komplett. Im 11. Jh. im Besitz der Herren von Nithardishusen, erwerben die Grafen von Henneberg den Ort 1284. 1562 zur Stadt erhoben, wird Kaltennordheim im Dreißigjährigen Krieg stark zerstört. 1662 gehört die eher als Marktflecken anzusehende Stadt zum Herzogtum Sachsen-Eisenach, ab 1741 zu Sachsen-Weimar-Eisenach.

Gottesackerkirche St. Kilian
Langezeit die einzige Kirche des Ortes, findet sich die mittelalterliche (vielleicht 14. Jh.) Kilianskirche auf einem Hügel inmitten des Friedhofs am nordwestlichen Ortsrand. Sie gilt als Nachfolger einer damals noch außerhalb des Ortes gelegenen Holzkirche. 1568 wird sie umgebaut und erneuert. 1634 durch Isolanis Kroaten geplündert, wird der Bau 1719 bei einem Brand beschädigt. Da die Mauern erhalten bleiben, kann sie 1727 wieder hergerichtet werden. Im Laufe des 19. Jh. weitgehend verfallen, wird sie 1884 restauriert, 1929 durch Zuganker gesichert. Die letzte umfassende Restaurierung findet 1980-81 statt.
Das Kirchengebäude aus Hau- und Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung erweist sich als unscheinbarer Rechteckbau mit Satteldach. Über dem Ostgiebel ist ein blechummantelter, achteckiger Dachreiter mit welscher Haube aufgesetzt. Während die spitzbogigen Fenster und die beiden Türgewände 1568 entstanden sein dürften, stammt das Rundbogenfenster und das Rundfenster im Ostgiebel aus der Bauzeit der ersten Steinkirche.
Innen wird der tonnengewölbte Saalraum durch zweigeschossige Emporen von 1727 eingefasst, an die sich östlich die Orgelempore anschließt. Der Kanzelaltar dürfte erst 1884 entstanden sein, und auch die Orgel mit dreiteiligem Schauprospekt von 1890 ist mehrfach überarbeitet worden. Aus dem 17. und 18. Jh. stammen die großteils stark abgetreten Grabsteine im Fußboden.

Ev. Pfarrkirche St. Nikolai
Die zweite Kirche Kaltennordheims, im Ort direkt an der Felda gelegen, wird ab 1597 errichtet. 1634 durch die marodierenden Kroaten zerstört, kommt es erst 1661-66 zum Wiederaufbau. Als sie 1858 ausbrennt, wird der heutige Kirchenbau 1865-67 im neuromanisch/-gotischen Mischstil mit Westturm und Spitzhelm sowie einem Chor mit 3/8-Schluß ebaut.
Die heutige Innengestaltung geht auf einen Umbau 1967-70 zurück, bei dem der zuvor offene Dachstuhl mit einer Flachdecke geschlossen wird. Der kreuzrippengewölbte Chor ist seitlich durch Oratorien mit Rundbögen über Säulchen eingefasst. Von den zunächst doppelten Emporen blieb nur die westliche Orgelempore erhalten.
Drei Chorraumfenster mit der Anbetung der Hirten, drei Frauen am leeren Grab Christi und Pfingstwunder werden 1934 von Elisabeth Coester und der Glaswerkstatt Herberle & Co. aus Hagen-Haspe angefertigt. Die Orgel, eine Stiftung der Großherzogin Sophia von Sachsen, wird 1867-68 von Carl und August Pernell aus Seeligenthal erbaut, später mehrmals überholt vom Gothaer Orgelbauer Böhm. Gleichzeitig enstand auch der Taufstein.
  Bedeutung

Die Friedhofskirche St. Kilian verrät nicht nur durch das unspektakuläre Äußere ihr hohes Alter. Auch das dem Frankenapostel Kilian geweihte Patrozinium weist auf eine frühe, mittelalterliche Entstehung.
Dagegen ist die Pfarrkirche St. Nikolai geradezu jung. Sie steht hier als Vertreter des späten 19. Jh., der im Zeitalter des Historismus nach Belieben aus dem Formenrepertoire vergangener Kunststile schöpfen kann.


 
Lesen

Jürgen Wolter, August Leimbach, Kennst Du die herrliche Rhön noch nicht? Bilder aus der Superintendentur Dermbach, Berlin 1973.
 
Die Kirchen zu Kaltennordheim, Faltblatt Kaltennordheim o. J.
 
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Die Nikolaikirche
Quelle: schaelow-weber 2006
Kilianskirche von Nordwesten mit Blick zur Nikolaikirche
Quelle: schaelow-weber 2006
Die Kilianskirche von Südosten
Quelle: schaelow-weber 2006
Orte (www.rhoen.de)
Kaltennordheim
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