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Ludwig-Siebert-Hof oder Rhönhof bei Hausen (Historische Stätte)
  1937 bis Gegenwart
 
  Beschreibung

Der Rhönhof oder Ludwig-Siebert Hof bei Hausen war der erste Musterhof, der in der bayerischen Rhön im Zuge der Rhönkultivierung und der Anlage von Erbhöfen errichtet wurde. Im Rahmen des Dr. Hellmuth-Plans sollte der nach dem bayerischen Ministerpräsidenten benannte „Ludwig-Siebert-Hof“ zugleich der Kultivierung der Hochrhön und der Schaffung einer arischen Bauernelite dienen – letzteres sah die durch die Ideen Richard Walther Darrés beeinflusste Agrarpolitik vor, die sich im Erlass des Reichserbhofgesetzes 1933 niederschlug.

Der Rhönhof als „Versuchshof“ der Rhönkulturstelle Mellrichstadt
Im September 1937 trieb der Freistaat Bayern in Folge der die schon länger geplante Einrichtung eines „Stützpunktes für Kultivierungsgeräte“ voran und kaufte von der Gemeinde Hausen gut 34 Hektar Land für 8.808 Reichsmark. Auf dem Gelände, das im Mittelalter Teil des Grundbesitzes der Herren von Rapp war und den Hof „Hauenstein“ beherbergte, errichtete das Landbauamt Bad Kissingen 650 m von der ehemaligen Hofstelle entfernt das neue Haus. Schon am 7. November 1937 wurde das Richtfest des „Ludwig-Siebert-Hofes“ gefeiert. „Einst haben die Kirchefürsten von Würzburg und Fulda dieses Gebiet durch die Vernichtung des Waldes wirtschaftlich zugrunde gerichtet. Die Rhön wurde trotz ausgezeichneten Bodens Ödland. Heute, nach vier Jahren Rhönkultivivierung im Rahmen des ‚Dr.-Hellmuth-Planes’ kann der erste Bauernhof auf diesen Gebiet errichtet werden: ein staatlicher Versuchshof der bayerischen Landesregierung durch den die landwirtschaftlichen Möglichkeiten auf der Hohen Rhön erforscht und Erfahrungen für den Aufbau weiterer Höfe gesammelt werden sollen“, verkündete der Völkische Beobachter und betonte damit auch gleich die ablehende Haltung vieler Nationalsozialisten gegenüber dem in der Rhön verbreiteten Katholizismus. Im Zusammenhang mit diesen Plänen zur landwirthschaftlichen Umgestaltung steht auch die Einrichtung der Rhönkulturstelle in Mellrichstadt – der Rhönhof sollte als Außenstelle und Versuchshof dienen.

Funktion und Aufbau des Rhönhofs
Der sog. Einhausbau, bei dem sich Wohnungen und Ställe – wohlbemerkt räumlich getrennt –unter einem Dach befanden, sollte wie alle Erbhöfe dem neusten Stand in Bezug auf Architektur und Technik entsprechen. Als im Juli 1938 die Familie des Verwalters Josef Bloier die „Dienststelle“ bezog, gab es allerdings weder Anschluss an die Hochrhönstraße noch an die Wasserversorgung, was wenig später durch eine Wasserleitung behoben wurde, die vom RAD-Lager am Schwarzen Moor ausging. Der „Rhönhof“, wie er bis heute genannt wird, sollte ursprünglich mit einem Beamten, einem Aufseher, zwei Gespannführern, zwei ledigen Hilfskräften besetzt sein, 3,5 ha Ackerland bewirtschaften und zwei Pferde, vier Ochsen, vier Kühe sowie sechs Stück Jungvieh halten. Er beherbergte die Wetterstation der Universität Gießen und wurde als Musterhof u.a. von Landwirtschaftsschülern besichtigt.
Nach dem Krieg bestand der Rhönhof weiter und wurde Versuchshof der Bodenkulturstelle Nordwestbayern der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur, Pflanzenbau und Pflanzenschutz. Heute wird er von einem Pächter bewirtschaftet und beherbergt eine Gaststätte.
 
Quellen:

Zöller, Theodor: Meine Rhön. Bd.1. Beiträge zur Entwicklung der Rhön, der unterfränkischen Landwirtschaft und den Bodenkulturstelle Nordwestbayern Mellrichstadt. Ostheim 2004.
 
Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd.1.
 
Der Versuchshof der bayerischen Landesregierung in der Hochrhön. In: Der Völkische Bebobachter vom 08.11.1937. Wiedergegeben in: Zöller, Theodor: Meine Rhön. Bd.1. Ostheim 2004.
 

 AutorIn Anne Krenzer
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Rhönhof bei Hausen.
Quelle: Fotografie von Anne Krenzer.
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