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Preh-Werke in Neustadt und ihr Begründer Jakob Preh (Historische Stätte)
  1919 bis Gegenwart
 
  Beschreibung

Charismatischer Firmengründer
Das Unternehmen „Jakob Preh jun.“ wurde 1919 in Neustadt gegründet und trug in der Folgezeit zum Wachstum der Stadt bei. 1923/24 entwickelte Preh den Rundfunkempfänger „Preh-Funk“. 1938 machten die „Elektrofeinmechanischen Werke Jakob Preh Nachf.“ 3 Mio RM Umsatz und beschäftigten 1200 Mitarbeiter. Der in Würzburg lebende Werksbegründer und Chef war bei den Preh-Mitarbeitern offenbar für fortschrittliches Denken, Fleiß und Zivilcourage beliebt. Im März 1945, nachdem Preh die Beschädigung seiner Villa am Würzburger Ring durch Brandbomben erlebt hatte, brachte er einen Teil seines Besitzes im Werk in Bad Neustadt unter. Dieses wurde wenige Tage vor dem Einmarsch auf Anweisung der Parteileitung in einer sogenannten Lähmungsaktion stillgelegt, da die Amerikaner keine funktionsfähigen Betriebe vorfinden sollten. Bewaffnete Bereitschaftstruppen patroullierten auf dem Werksgelände, u.a. weil man befürchtete, die „Fremdarbeiter“ könnten angesichts der vorrückenden Alliierten Sabotageversuche unternehmen.

Vergebliche Apelle an die Vernunft
Wie ein ehemaliger Mitarbeiter Prehs in seinen Memoiren berichtet, versuchte Jakob Preh Anfang April 1945 vergeblich, die Gauleitung in Würzburg zur Niederlegung der Waffen zu bewegen. Auch bei der Kreisleitung war er am 07.04.1945 erfolglos, da sich zahlreiche Parteifunktionäre bereits abgesetzt hatten und Preh die restlichen betrunken vorfand. Mit einigen seiner Mitarbeiter suchte Preh am Vormittag desselben Tages im Heizungskeller des Werkes Zuflucht, als amerikanische Jagdbomber auftauchten. Am Nachmittag rückten amerikanische Panzer ein und trafen auf deutschen Widerstand. Preh versuchte zwei Offizieren mit Hilfe eines Dokumentes verständlich zu machen, dass die Stadt sich nicht weiter verteidigen werde. Zur Bestätigung dieses Dokuments auf dem Bürgermeisteramt begab er sich in amerikanischer Begleitung mit weißer Flagge zum Rathaus, wo wegen Abwesenheit der beiden ersten Bürgermeister schließlich der 3. Bürgermeister verständigt werden musste. Im gegenüberliegenden Gasthaus „Zum Bären“ hatte sich eine deutsche Kampftruppe postiert und Preh wurde aus dem Hinterhalt – wahrscheinlich von einem kaum 2ojährigen SS-Mann, erschossen.

Entwicklung nach Kriegsende
Nachdem Neustadt in der Nacht zum 08.04.1945 von deutscher Artillerie beschossen wurde, zogen am Tag darauf die Amerikaner ein und ließen ein Stadtviertel für die Truppen räumen. Jakob Preh wurde nach dem tödlichen Schuss in die Klosterkirche gebracht und einige Tage später vorrübergehend auf dem Werksgelände beigesetzt. Sein Werk wurde zunächst stillgelegt und durfte nur zu Aufräumungsarbeiten betreten werden. Zahlreiche Geräte und Schriftstücke waren entwendet oder beschädigt worden, zum einen von den nun freien Zwangsarbeitern zum anderen bei Durchsuchungen durch die Amerikaner. Allmählich wurde die Produktion wieder aufgenommen, jedoch war es Parteiangehörigen verboten, vor ihrer Ent-Nazifizierung im selben Werk weiter zu arbeiten, was laut Zeitzeugen zu einer Art Mitarbeiteraustausch zwischen den Betrieben Siemens und Preh führte. Die Preh-Werke konnten anfangs nur einen Bruchteil der ehemaligen Belegschaft beschäftigen, nahm aber allmählich die Fertigung von elektromechanischen Teilen wieder auf. 1949 stieg Preh in die Spielwarenproduktion ein und stellte u.a. ferngesteuerte Autos und Puppen her.
 
Lesen

Benkert, Ludwig: Jakob Preh: Die Ereignisse des 7. April 1945, die zu seinem Tod führten.. In: Heimatblätter Rhön-Grabfeld. 18 (1995). 1. S.2-3.
 
 
Quellen:

Bellaire, Franz: Meine Erinnerungen an die Tage bei den Preh-Werken, vor dem Einmarsch der amerikanischen Kampftruppen am 7.April 1945. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld. Bd. 22 (2000). S.256-265.
 
http://www.preh.de/rw_nlmm/main.asp?webID=prehpageID=505
 

 AutorIn Anne Krenzer
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