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Schloss Buchenau bei Eiterfeld (Historische Stätte)
  16. Jh. bis Gegenwart
 
  Beschreibung

Einflussreiches und kämpferisches Adelsgeschlecht

Der Schlosskomplex Buchenau liegt im gleichnamigen Ort auf einem Bergvorsprung über dem Eitratal und war einst Eigentum des mächtigen Adelsgeschlechtes von Buchenau. Die Ritter von Buchenau, die als Freie zum Rhöner Uradel gehörten, tauchen in den Urkunden erstmals um 1200 herum auf, als dem Ministerialen Berthold von Buchenau durch das Kloster Hersfeld das Holzförsteramt verliehen wurde. Die Herren von Buchenau waren im Mittelalter den Klöstern Fulda und Hersfeld durch Dienst- und Lehensverhältnisse verbunden, sie stellten sogar einige Äbte. Das hielt die für ihre Kampfeslust und Grausamkeit bekannten Ritter jedoch nicht davon ab, auch mit den geistlichen Herrschern Fehden auszutragen. Ihre von Wassergraben und Sümpfen umgebene Wehrburg wurde oft belagert, aber nie eingenommen. Bis in die Frühe Neuzeit lösten sich die Herren von Buchenau immer weiter vom Kloster Fulda und führten schließlich in ihrem Gebiet den protestantischen Glauben ein.

Vier Schlösser in einem Dorf

Buchenau besteht aus vier herrschaftlichen Gebäudekomplexen, die ab dem 16. Jahrhundert entstanden. Der als „Obere Burg“ oder Generalshaus bezeichnete Renaissancebau lag etwas höher außerhalb der alten Burganlage und demonstrierte als Wohn- und Repräsentationsgebäude die neu gewonnene Macht des Adelsgeschlechts nach der Reformation. 1694 wurden auf die älteren Fundamente zwei Fachwerkgeschosse aufgesetzt, die Südseite schmückt ein zinnengekrönter Rechteckturm. 1575 ließ Bernhard von Buchenau ein neues Schloss im Renaissancestil errichten, das nach einem späteren Besitzer als „Spiegelschloss“ bezeichnet wird. Unmittelbar daneben liegt das „Seckendorff-Schloss“, das ungefähr zur gleichen Zeit und ebenfalls im Renaissancestil erbaut wurde. Es ist nach der Familie Seckendorff benannt, die nach dem Aussterben des Geschlechts von Buchenau Anfang des 19. Jahrhunderts in den Besitz kam und deren Nachfahren noch heute dort wohnen. 1611-1618 ließ Melchior von Buchenau ein weiteres Schloss errichten, das wenige Jahrzehnte an das Kloster Fulda und die Familie Schenk von Schweinsberg fiel. Das „Schenk-Schloss“ besteht aus einem Mittelbau mit Renaissance-Giebeln, an den sich rechtwinklig zwei niedrigere Seitenflügel anschließen.

Gut erhaltene Renaissance-Bauten

Seit der frühen Neuzeit verloren viele Ritterfamilien gegenüber dem Bürgertum an Einfluss und verarmten. Die Herren von Buchenau mussten nach und nach bis zur Hälfte ihres Gerichtsbezirks verkaufen. 1816 starb mit Karoline von Buchenau das letzte Mitglied der Adelsfamilie, gut ein Jahrhundert später verschwanden auch die Besitzer des Schenk-Schlosses. Teile des Buchenauer Schlosskomplexes kamen danach in den Besitz der Hermann-Lietz-Stiftung, die dort bis Ende der 70er Jahre eine reformpädagogische Schule unterhielt. Seit Anfang der 80er diente das Schenk-Schloss als Unterkunft für Aus- und Übersiedler aus Osteuropa. Schloss Buchenau ist bis zu heutigen Tage gut erhalten und zeigt viele Bau- und Zierelemente aus der Renaissancezeit wie z.B. Fachwerkkonstruktionen und Treppentürme. Bemerkenswert sind die Torpfosten der „Alten Burg“ (Spiegel- und Seckendorff-Schloss), mit beweglichen durchlöcherten Steinen, durch die Feinde beobachtet und beschossen wurden. Im Inneren des Schenk-Schlosses befinden sich ein großer Kamin mit Ofenplatte, die Christus als Weltenrichter darstellt, sowie fünf geschnitzt Renaissance-Prunktüren.
Heute dient Schloss Buchenau als Tagungs- und Seminarhaus und bietet Gruppenunterkünfte und Räume für Feiern an.
 
Lesen

Erwin Sturm: Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes. Bd. I. und II. Fulda 1962/71.
 
 
Internet

Schloss Buchenau online
 

 
Quellen:

Archiv des Rhönklubs.
 
Gisela Schäfer: Buchenau – Rittersitz und Dorf. In: Rhönwacht 2/1999.
 
Hanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten aus der Rhön und dem Fuldaer Land. Hünfeld 2001.
 

 AutorIn Anne Krenzer
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Ansehen
Schenk-Schloss in Buchenau
Quelle: Fotografie von Erwin Sturm.
Orte (www.rhoen.de)
Eiterfeld, Ortsteil
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