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Wallfahrt in Grimmenthal (Historische Stätte)
  1499 bis 1506
 
  Beschreibung

Zur Wallfahrtsgeschichte
Laut einer Legende kniete einmal ein kranker Ritter namens Hans Teufel aus Obermaßfeld unter einer Linde vor einem alten Muttergottesbild und bat um Heilung. Wie durch ein Wunder wurde er gesund und ließ bald darauf zum Dank eine Kapelle bauen.
Daraus entstand im ausgehenden 15. Jh. die Wallfahrt Grimmenthal, die mit einer prächtigen Wallfahrtskirche gekrönt wurde. Bis zu 44000 Wallfahrer kamen jährlich nach Grimmenthal. So zählte der Wallfahrtsort neben St. Wolfgang auf einer Insel im heute trockenen See bei Hermannsfeld bald zu den bedeutendsten der Region. Doch war zu ihrer größten Blüte auch das Ende durch die beginnende Reformation nicht mehr weit. So wetterte Martin Luther gegen die Unsitten der Wallfahrt. Im Bauernkrieg 1525 geplündert, hatte man glücklicherweise die Ausstattung zum Schutz entfernt. Doch kam mit dem zunehmenden Ausbleiben der Wallfahrer auch das Ende für den Kirchenbau. So soll im 19. Jh. als einziger Zeuge eine uralte Linde im Hof des Hospitals erhalten geblieben sein.

Die Wallfahrtskirche St. Johannes und ihre Ausstattung
1499-1506 wurde durch Graf Wilhelm IV. von Henneberg (1478-1559) die St. Johannes-Kirche anstelle einer Kapelle errichtet. Durch die Reformation 1544 immer weniger besucht, wurde die Kirche 1758 durch einen Brand zerstört. Teile des ehemaligen Hochaltars haben sich in Gräfentonna (Kr. Gotha) erhalten. Von den weiteren sechs Altären und zahlreichen Tafelbildern blieben nur geringe Reste. Das Wallfahrtsbild, eine sitzende Muttergottes mit Christus auf ihrem Schoß, findet sich nur als Abbild auf einem Pilgerzeichen von 1498 in Gotha. Eine Inschrifttafel aus der alten Wallfahrtskirche wird im ehemaligen Hospital aufbewahrt.
Bis 1805 blieb der Bau als malerische Kirchenruine stehen, bevor seine Steine zur Errichtung eines Stallgebäudes wieder verwendet wurden.

Brücke und Brückenkapelle in Obermaßfeld-Grimmenthal
Für die Wallfahrt von großer Bedeutung war auch eine Furt über die Werra, die den Zugang von Süden ermöglichte. Die heute dort befindliche fünfjochige Bogenbrücke mit Kapelle wurde 1531-36 errichtet. Die mit einer Wappentafel von 1534 geschmückte kleine Kapelle konnte als Zwischenstation auf der Wallfahrt nach Grimmenthal genutzt werden. Gleichzeitig hatte die Brücke aber auch große Bedeutung für die schon im Mittelalter bestehenden fränkisch-thüringischen Handelsbeziehungen.

Der Hospitalbau
Von Obermaßfeld aus gelangt man hinter den Bahnschienen Richtung Suhl den Standort der ehemaligen Wallfahrt Grimmenthal. Wilhelms IV. gründete hier 1536 auch ein Hospital, in dem zwölf arme und gebrechliche Personen aus dem Besitz der früheren Wallfahrtskirche ernährt wurden. Nach einem Brand 1775 wurde dessen Hauptgebäude neu errichtet. Bis 1992 als Altersheim genutzt, befindet er sich heute in Privatbesitz. Über der Hofeinfahrt des großen, zweigeschossigen Baus mit Mansarddach erinnert das Wappen Wilhelms IV. von Henneberg an die Gründung. Auch die heutigen Nebengebäude, darunter ein Brau- und Darrhaus, wurden erst 1803-10 und später errichtet.
  Bedeutung

Wenn auch das Kirchengebäude im Laufe der Jahrhunderte verloren ging, so darf die Bedeutung dieser untergegangenen Wallfahrt nicht unterschätzt werden. Die Errichtung der sicher prachtvollen Kirche durch die Henneberger Grafen war nicht nur hilfreich für das Wachstum der Wallfahrt, sondern auch ein lukratives Geschäft. So ist Grimmenthal heute ein schönes Beispiel für die Vergänglichkeit des einst berühmten Ortes.


 
Lesen

Horst Jäger, Thüringen zwischen Grabfeld und Rhön, Hildburghausen 1990.
 
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, München 1998.
 
Gottfried Müller, Guntard Linde, Romantische Reise. Mit der Kamera auf den Spuren einer Kirchenfahrt von 1838, Berlin 2. Auflage 1973.
 
Bernhard Großmann, Thomas Witter, Günther Wölfing, Auf den Spuren der Henneberger, Kloster Veßra 1996.
 
 AutorIn Schaelow-Weber
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Ansehen
Inschriftenstein von der Wallfahrtskirche
Quelle: Guntard Linde, Romantische Reise 1973
Brückenkapelle in Obermaßfeld
Quelle: schaelow-weber 2006
Wappen am ehemaligen Hospital
Quelle: schaelow-weber 2006
Orte (www.rhoen.de)
Grimmenthal
Obermaßfeld
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