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Judenverfolgung in der Rhön (Thema)
  1933 bis 1945
  Beschreibung

Die Judenverfolgung war ein zentrales Anliegen von Adolf Hitler. Bereits kurz nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten ihr antisemitisches Programm in die Tat umzusetzen. Zum Auftakt kam es am 1. April 1933 zu einem organisierten, von Ausschreitungen gegen Juden begleitetem Boykott jüdischer Geschäfte, Banken, Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien. Der Boykott erregte im Ausland großes Aufsehen. Den Nationalsozialisten war zu diesem Zeitpunkt an einem guten Einvernehmen mit dem Ausland gelegen: sie brachen den Boykott ab und begannen die Lebensmöglichkeiten der Juden nach und nach per Gesetz immer weiter einzuschränken. Ihr Ziel war es, die Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben auszuschalten und durch Schikanen dazu zu bringen auszuwandern. Die Basis für die gesetzliche Ausgrenzung wurde 1935 mit dem „Reichsbürgergesetz“, das den Juden die Aberkennung des deutschen Bürgerrechts brachte, gelegt. Juden waren fortan lediglich geduldete „Reichsangehörige“ ohne politische Rechte. 1943 verloren sie jeglichen Rechtsschutz.

Mit dem zumeist als „Reichskristallnacht“ bezeichnetem Pogrom in der Nacht vom 9. zum 10.11.1938 leiteten die Nationalsozialisten die aktive Verfolgung der Juden ein. Die als „spontane Kundgebungen“ deklarierten Ausschreitungen richteten sich gegen jüdische Synagogen, Friedhöfe, Wohn- und Geschäftshäuser. Tausende wurden verhaftet, viele in ein KZ verbracht, etliche fanden den Tod. Als Auslöser für das geplante Pogrom diente die Ermordung des deutschen Botschaftssekretärs Ernst vom Rath am 7.11.1938 durch den Juden Herschel Grynszpan in Paris.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 veränderten die Nationalsozialisten ihre Taktik. Statt Juden durch Schikanen zur Auswanderung zu bewegen, war es nun das Ziel die „Judenfreiheit“ des deutschen Herrschaftsbereichs durch Ausrottung des jüdischen Bevölkerungsanteils zu erreichen. In Polen wurden Vernichtungslager errichtet und ein Auswanderungsverbot erlassen. Den im Osten vorrückenden Armeen folgten „Einsatztruppen“, die hinter der Front systematisch Erschießungen vornahmen. Insgesamt fanden in den 12 Jahren des „Dritten Reichs“ ca. 6 Millionen Juden den Tod.
  Bedeutung

In dem zentralisierten und gleichgeschalteten Dritten Reich stellte die Rhön keine Ausnahmeregion dar. Auch hier wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und das jüdische Leben ausgelöscht. Die einheimische Bevölkerung stand den antijüdischen Maßnahmen wohl größtenteils distanziert bis ablehnend gegenüber, offener Protest war jedoch selten. Zu wirksam war die Einschüchterungspolitik der Nationalsozialisten. Wer Kontakt zu Juden hatte oder in jüdischen Geschäften einkaufte, wurde öffentlich gebrandmarkt und war von strafrechtlicher Verfolgung bedroht. Nur in vertraulichen Gesprächen und durch heimliche Geld- und Sachspenden kam zum Beispiel in Neustadt a. d. Saale die Missbilligung zum Ausdruck. Bei dem verhältnismäßig hohen Prozentsatz an Juden in der Rhön kam mit der Vernichtung der jüdischen Gemeinden ein jahrhundertealtes, wesentliches Element des Rhöner Lebens zum Erlöschen.

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Dokumente
Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Tann
Auslöschung jüdischer Gemeinden im Altkreis Hünfeld