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Marschler-Plan (Thema)
  1935 bis 1945
  Beschreibung

Grundlagen des Marschler-Planes
Der Plan des thüringischen Ministerpräsidenten Marschler zum Aufbau der thüringischen Rhön, der Mitte der 1930er als Reaktion auf den unter Otto Hellmuth erstellten Plan in Kraft trat, konnte auf bereits konzipierte und fertiggestellte Kultivierungsarbeiten zurückgereifen. Schon vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte die thüringische Landesregierung die Landwirtschaft gefördert: Seit den 1920er wurden im Rahmen von Notstandsarbeiten (Beschäftigungsmaßnahmen für Arbeitslose) Flächen entsteint, trockengelegt etc. sowie verbilligte Saat- und Düngemittel ausgegeben.
Nachdem die Arbeitslosigkeit im Winter 1932/33 ihren Höhepunkt erreicht hatte, gewann die NSDAP, die bereits seit 1929 an der Regierung beteiligt war, immer mehr Anhänger. 1932 übernahmen die Nationalsozialisten die Landesregierung und ließen in den Kreisen Meiningen und Eisenach Arbeitsdienstlager errichten, in denen zunächst Notstandsarbeiter untergebracht waren, die arbeitsbeschaffende Maßnahmen, etwa Flussregulierungen in Dermbach durchführten. Anfang der 1930er hatte der der Diplomlandwirt Dr. Kermann im Auftrag der Landesregierung Gutachten zu Berufsgliederung, Verdienstmöglichkeiten, Arbeitslosigkeit und Landwirtschaft erstellt, die in den Marschler-Plan einflossen. Marschler verfolgte v.a. die Strategie, die Erträge der Rhön-Bauern zu erhöhen, was durch Schaffung von Weideland, Verbesserung der Äcker und Flurbereingungen erreicht werden sollte.

Gegenprojekt zum Hellmuth-Plan
Angesichts dieser Aktivitäten empfand Marschler die gauübergreifenden Pläne Hellmuths, die dem thüringischen Wirtschaftsministerium im Februar 1934 mitgeteilt wurden, offenbar als Beleidigung. Auch der thüringische Gauleiter Fritz Sauckel verweigerte sich der Einbeziehung Thüringens in den Hellmuth-Plan, der Meininger Landrat Gross hingegegen sympathisierte mit der Idee, unter Hellmuths Oberaufsicht Verkehrswege, Fremdenverkehr und Industrie auszubauen. Die Propaganda rund um die Erretung des Notstandsgebietes der mainfränkischen Funktionäre erwiderte Marschler mit einer eigenen Pressekampagne, in der er die Rhön beschrieb als ein Land „mit fleißigen, gesunden, offenen, kerndeutschen Männern, Frauen und Kindern, in dem es aufwärts geht“. Statt als „Armenhaus“ sollte die thüringische Rhön als Teil des „Grünen Herzens Deutschlands“ bekannt werden. In Zeitungsartikeln und Broschüren verwies er auf schon erreichte Verbesserungen wie Entfernung von Basaltblöcken, Drainagen, neue Ansaat, Düngung und Einrichtung mehrerer Kulturbaustellen.

Inhalte des Marschler-Planes
Marschlers „Plan zur Hebung der Wirtschaft in der thüringischen Rhön“ wurde Ende 1935 dem Reichs- und Preußischen Minister für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin vorgelegt. Er ähnelte zwar z.T. dem Hellmuth-Plan, das thüringische Wirtschaftsministerium untersagte aber insbesondere den grenznahnen Gemeinden wie Ostheim oder Sondheim die Absprache mit Unterfranken. Der Marschler-Plan sah vor, ca. 552 ha Hutfläche von Basaltfindlingen zu reinigen und diese abzutransportieren oder zur Aufschichtung von Grenzmauern zu verwenden. In 25 Gemeinden sollten Entwässerungsgräben geräumt und in 11 Gemeinden Zugangswege zu den verbesserten Hutflächen geschaffen werden. Hinzu kamen Vorhaben wie Kanalisation, Bau von Silos, Verbesserung von Obstplantagen. In das 17 Mio teure Projekt, an dem u.a. das thüringische Ministerium des Innern und die Landesbauernschaft beteiligt waren, wurden 75 Gemeinden mit einbezogen. Eine Besonderheit des Marschler-Planes war die 1936 eingerichtete Bäuerliche Werkschule in Geisa, die später nach Dermbach verlegt wurden. Auch die Holzschnitzerei und -bildhauerei wurde gefördert, besonders in Kaltennordheim, Empfertshausen, Klings und Oberweid. Wie der Hellmuth-Plan trat auch der Marschler-Plan 1942/43 in den Hintergrund – es ging jetzt eher um kriegswichtige Produktion.
 
Lesen

Hohmann, Joachim S.: Thüringens "Rhön-Plan" als Beispiel nationalsozialistischer Agrar- und Rassenpolitik. In: Heiden, Detlev (Hrsg.): Nationalsozialismus in Thüringen. Weimar 1995. S. 293-312.
 
 
Quellen:

Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Ein Beitrag zur Landesgeschichte Bayerns, Hessens und Thüringens. Frankfurt/M. 1992. Bd.1.
 
Marschler, Willi: Denkschrift über die thüringische Rhön. Weimar 1934. Abgedruckt in Hohmann, Joachim S.: Landvolk unterm Hakenkreuz : Agrar- u. Rassenpolitik in der Rhön. Bd.2. Frankfurt/M. 1992. S.61-73.
 

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Ansehen
Willi Marschler, Ministerpräsident von Thüringen.
Quelle: Fotografie reproduziert in: Hohmann, Joachim S.: Die hessische Rhön im "Dritten Reich". Hünfeld 1995.
Die Errichtung von Erbhöfen unter Verwendung von Lesesteinen, hier in der Nähe des Katzensteins, war Teil des Marschler-Plans.
Quelle: Fotografie von Anne Krenzer.
Dokumente
"Burg der alten Garde" auf dem Katzenstein
Erb- und Musterhöfe in Thüringen
Marschler