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Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen (Thema)
  5.000  v.Chr.bis 1.000
  Beschreibung

Befestigungen zum Schutz von Mensch, Vieh und Habe vor Bedrohung sowie zur Verteidigung gab es seit dem Beginn der Sesshaftigkeit im 6. Jahrtausend v. Chr. Sie konnten in der Ebene wie auf Bergkuppen angelegt sein. Die einfachste Form bestand in der Abriegelung einer Halbinsel oder eines Bergsporns durch einen „Abschnittswall“ mit vorgelagertem Graben. Aufwändiger konstruiert waren geschlossene Ringwälle. Anlage und Unterhalt von komplexen Befestigungsanlagen konnten nur von einer Bevölkerung mit entwickelter und verfestigter Hierarchie getragen werden. Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen kamen in drei Formen vor: als Umwehrung von Wohnsitz oder –ort, als Fluchtburg außerhalb der Siedlungen oder zur Sicherung größerer Siedlungsgebiete.
  Bedeutung

In der Rhön finden sich die Reste eine Vielzahl an Befestigungen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Viele sind bis heute ununtersucht und können zeitlich nicht eingeordnet werden.

Die älteste Befestigungsanlage, ein jungsteinzeitliches „Erdwerk“, wurde bei Sondheim im Grabfeld bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt. Es ist das Werk von Bandkeramikern, den Trägern der ersten in Mitteleuropa ansässigen Bauernkultur.

Die jungsteinzeitliche „Michelsberger Kultur“, bekannt für die ersten Bergbefestigungen, hat in der Rhön an mehreren Orten Siedlungsspuren hinterlassen, so am „Judenhügel“ bei Kleinbardorf, am „Eiersberg“ bei Mittelstreu und am „Rehberg“ bei Wechterswinkel. Bislang konnte aber nicht nachgewiesen werden, dass die Berge zu der Zeit befestigt waren.

Die Stämme der Urnenfelderzeit legten auf Berghöhen große befestigte Siedlungen an. Sie dienten den umliegenden Dörfern als politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt. Die Wallanlagen bestanden, wie in den nachfolgenden Epochen, aus holzverstärkten Steinmauern. In der Rhön gab es solche Zentralsiedlungen auf dem Haimberg bei Fulda sowie Großem und Kleinen Gleichberg. Funde der Urnenfelderzeit wurden zudem auf Eiersberg und Öchsen gemacht, ohne dass hier zeitgleiche Wallanlagen nachweisbar wären.

In der späten Hallstattzeit trugen viele Kuppen der Rhön Befestigungen. Häufig handelt es sich um kleine Anlagen mit einfachen Wällen. Das Fehlen einer Quelle und der geringe Fundanfall lassen vermuten, dass sie nicht für Wohnzwecke gedacht waren. Sicher bewohnt waren die Anlagen auf dem Kleinen Gleichberg, Milseburg, Hohe Schule, Judenhügel, Eiersberg, Rehberg, Öchsen und Heidenküppel. Ein Teil der hallstattzeitlichen Befestigungen wurde am Ende der Frühlatènezeit aufgegeben, andere bis zum Ende der Latènezeit genutzt.

Die jüngere Latènezeit ist die Epoche der befestigten, dichtbesiedelten, nach südländischem Vorbild erbauten „oppida“. Sie besaßen mehrteilige Wälle mit aufwendigen Toranlagen. Die Wallinnenseite war häufig mit Rampen versehen. In der Rhön zählen die Befestigungen am Kleinen Gleichberg und der Milseburg dazu, vielleicht auch jene vom Mettermich. Weitere, kleinere spätlatènezeitliche Befestigungen befanden sich am Habelberg bei Tann und am Stallberg bei Kirchhasel.

Die einzige germanische Bergbefestigung der Völkerwanderungszeit, sie stammt aus dem 5. Jh., befindet sich am Gangolfsberg bei Oberelsbach.

Die „burgenreichste“ Epoche nach der Hallstattzeit ist im Umkreis der Rhön die Merowingerzeit. Die Franken legten im 6./7. Jh. zur Sicherung ihrer Herrschaft Befestigungen auf Höhen an. Vielfach nutzten sie dabei die Ruinen von Wallanlagen aus älterer Zeit, so am Gangolfsberg, dem Rehberg, dem „Judenhügel“ und dem Kleinen Gleichberg. Andere wurden neu geschaffen, so mehrere Anlagen im Umkreis von Münnerstadt (Michelsberg und Windsburg sowie bei Burglauer) und jene auf dem Sodenberg.


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Dokumente
Befestigte Siedlung der Jungsteinzeit von Sondheim im Grabfeld
Gehaus
Historische Ereignisse der Gemeinde Gehaus
Kirchhasel
Neue Forschungsergebnisse zur Ringwallanlage der Milseburg
Rasdorf
Ringwallanlage "Judenhügel" bei Kleinbardorf
Ringwallanlage "Hohe Schule" aus der Eisenzeit
Ringwallanlage am Kleinen Gleichberg "Steinsburg"
Ringwallanlage auf dem "Rehberg" bei Wechterswinkel
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