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Vormärz in der Rhön (Thema)
  1815 bis 1848
  Beschreibung

Der Begriff „Vormärz“ bezeichnet im engeren Sinn die national und liberal gesinnten Kräfte, die ein vereinigtes Deutschland anstrebten und die die Märzrevolution von 1848 herbeiführten. Die nationalen und liberalen Strömungen äußerten sich vornehmlich auf politischem, wirtschaftlichem und kulturhistorischem Gebiet.

Der politische, teilweise radikale „Vormärz“ manifestierte sich zunächst im Umkreis der Universitäten (Burschenschaften), hatte aber auch eine literarische Seite („Junges Deutschland“). Weniger radikal waren die Vertreter des Bürgertums. Sie versuchten Ziele wie die Reform der frühkonstitutionellen Verfassungen, Presse-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit, Geschworenengerichte, Bauernbefreiung, Volksbewaffnung und Wahl eines gesamtdeutschen Parlaments innerhalb der bestehenden politischen Ordnungen zu erreichen. Vom Gedanken der nationalen Einung war ferner die Gründung von Gesangs-, Turn- und weiteren Vereinen getragen. Ihr politisches Potential wurde von den Machthabenden so virulent eingeschätzt, daß sie und ihre Mitglieder wie die Protagonisten und Organisationen des politischen Vormärz massiv von Verfolgungen und Verboten betroffen waren.

Im Vormärz wurden die Weichen für die Industrialisierung Deutschlands gelegt. Eine wichtige Etappe und gleichzeitig ein Meilenstein auf dem Weg zur deutschen Einheit war die Schaffung eines einheitlichen deutschen Binnenmarkts durch den Deutschen Zollverein im Jahr 1834. Eine weitere bedeutende Komponente für die wirtschaftliche Entwicklung und Einung Deutschlands war die Schaffung eines deutschen Eisenbahnnetzes.

Die kulturhistorische Bewegung stellte die durch die gemeinsame Sprache, Dichtung und Geschichte gegebene Einheit Deutschlands in den Mittelpunkt. Es entstand der Begriff der „deutschen Kulturnation“. Die Vergangenheit wurde romantisch verklärt gesehen. Es wurden Zeugnisse des deutschen „Volksgeists“ und der „Volkspoesie“ wie Mythen, Sagen, Legenden und Märchen gesammelt. Die deutsche Sprach- wie die Geschichtswissenschaft hat hier ihre Wurzeln. Die Betonung des Historisch-Nationalen führte unter anderem zur Errichtung von deutschen Nationaldenkmälern.
  Bedeutung

In der Rhön kam der Geist des Vormärz vorwiegend im kulturhistorischen Bereich zum Tragen. In der heute thüringischen Rhön wirkten beispielsweise die Sagensammler Ludwig Bechstein (1801 – 1860) und Ludwig Wucke (1807 – 1883). Ludwig Bechstein gründete ferner den „Hennebergischen Altertumsforschenden Verein“, der sich der Erforschung der vaterländischen Geschichts- und Altertumskunde sowie der Aufbewahrung deren Denkmale und Überreste verschrieben hatte. Ähnliche Ziele verfolgte im bayerischen Teil der Rhön der „Historische Verein für Unterfranken und Aschaffenburg“.
Eine große „nationale Feierstunde“ von weit überregionaler Bedeutung war die Grundsteinlegung der Salzburgkapelle im Jahr 1841. Anwesend waren nicht nur der bayerische König Ludwig I. sondern auch die Bischöfe von Würzburg, Fulda, Eichstätt und Rottenburg. Man glaubte Bonifatius habe auf der Salzburg bei Bad Neustadt das Bistum Würzburg gegründet. Ausgehend von seiner Wirkungsstätte Fulda erhielt die Bonifatiusverehrung im Verlauf des 19. Jahrhunderts einen stark nationalen Zug. Bonifatius wurde als „Apostel der Deutschen“ tituliert.


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