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Rhön - Versuche einer Namensdeutung (Volkskundliche Überlieferung)
 
  Beschreibung

Im Grunde genommen sind alle bisherigen Worterklärungen über die Stufe von Deutungsversuchen nicht hinausgekommen und können eigentlich schon bei Ludwig BECHSTEIN (1842) und G. BRÜCKNER (1851) nachgelesen werden. So schreibt Letztgenannter zusammenfassend:
„Rhön leitet man ab 1) von rauh, 2) Rain, 3) roden, 4) grün, grön, 5) von einem versunkenen Hof Ronaha, 6) von Royn, d. i. Schlacke, Lave“.

Bei Bechstein heißt es dazu u. a. : „Eine dritte, bessere Meinung leitet von Rain her, ein Abhang, eine Grenze, womit auch Rinne, Rhein, sprachverwandt ist, und wohin nicht minder die Rennwege deuten, die auf deutschen langgestreckten Gebirgsrücken öfters begegnen.“
Im Großen und Ganzen dürften die vorangestellten Deutungsversuche auf die diesbezüglichen Aussagen von WALTER (1844) Bezug nehmen, haben aber auch in einem jüngeren Erklärungsversuch offenbar ihren Niederschlag gefunden.
Unter Hinweis auf die „erste“ Urkunde (vom 13.04.1228), die den Namen „Rhön“ betrifft, schlussfolgerte H. BOXBERGER (1958): Dieser ist „keltischen Ursprungs und ist abgeleitet von ‚rinn’, ‚rann’ und hat die Bedeutung von ‚Vorberg’ als Landschaftsbezeichnung. Wenn der Gebirgszug, der später Thüringer Wald genannt wurde (Samanus silva) vor der Zeitenwende die nördliche Grenze des Keltengebiets war, dann konnte vom Standpunkt der hier wohnenden Kelten aus das Rhöner Bergland recht gut als Vorberg bezeichnet werden..“
Wenn auch OSTERWITZ (1909) im wesentlichen bei dieser Herleitung bleibt („Rain“ als Kennzeichnung für Grenze und „Rhoen“ für Bergkette), dann kann – wie von SPITZER (1992) schon herausgearbeitet – damit „ursprünglich nur der Gebirgsstock der Rhön gemeint“ sein.
Wenn es in der thüringischen Hochrhön auch keinen dem Rennsteig vergleichbaren Kammweg gibt, an Grenzen hat es bis in die jüngste Vergangenheit hinein nie gemangelt. In diesem Zusammenhang sei nur an die zahlreichen Landwehren erinnert, von denen heute noch die Flur- und Forstortsnamen Hählwald, Hählhecke, Hählwiesen Zeugnis ablegen.
Im Gegensatz zu HAMMEL (1933) neigt man neuerdings wieder dazu, STURMFELS (o. J.) Recht zu geben und einer Herleitung aus „hraun“ zu folgen, das altnordisch „steiniges Land“, „Geröllfeld“ bzw. im Isländischen „Lavafelder“ bedeutet (KUHN, 1959; HEPP, 1979 und 1991).
Bislang wurde dieser Begriff u. a. auch zu alt- bez. mittelhochdeutsch „ronen“ bzw. „rone“ gestellt, was so viel wie „umgefallener Baumstamm, Windbruch“ bedeutet (WALTER, 1971) und beispielsweise u. a. zur Erklärung der Ortsnamen Ober- und Unterrohn im Wartburgkreis herangezogen wird.

Sicher scheint an den bisherigen Erklärungsversuchen nur, dass sich der Gebirgsname „Rhön“ und der Gebietsname „Buchonia“ unabhängig voneinander herausgebildet haben, aber im Laufe der Zeit aufeinander zu wanderten und heutzutage sogar schon synonym gebraucht werden.
 
Quellen:

Walter Uloth
 In der Reihe „Namenskundliches zu den Naturschutzgebieten im Biosphärenreservat Rhön/Thüringen“ Erschienen in „Mitteilungen aus dem Biosphärenreservat Rhön“, Heft 1 (1996)

 AutorIn Manfred Hempe
 Kommentare

Ilse Maria Bruckner schrieb: Namensdeutungsversuche Rhön
Vielen Dank für Ihren neu eingestellten, interessanten Beitrag.
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