Zwischen Moos, Kunst und alten Gleisen: Drei Tage in Geisa

Manchmal braucht es nicht mehr als ein freies Wochenende und einen guten Impuls. Ich hatte einen Artikel über Geisa gelesen – ein Ort , der an Geschichte, Natur und Kultur so dicht sein soll wie kaum ein anderer. Also stieg ich in den ICE bis Eisenach und fuhr mit der Linie 110 weiter. Je schmaler die Straßen, desto weiter wurde die Landschaft. Wälder, offene Gipfel und Flüsse streiften meinen Blick.

In Geisa angekommen, stellte ich mein Gepäck im Schlosshotel ab. Das Glockenspiel des Carillons in der Stadtpfarrkirche zog mich sofort wieder nach draußen und führte mich zu meinem ersten Erlebnis: einer Kirchturmführung. Werke berühmter Künstler wie Dali und Marc Chagall beeindruckten mich in der Deschauer Galerie. Zwischen alten Stadtmauern und internationalen Kunstwerken empfand ich ein Gefühl von Heimat und Weltoffenheit.

Die Stadtpfarrkirche in Geisa mit dem Glockenturm.
Stadtparrkirche St. Philippus & Jakobus mit Carillon
Besucher in der Kunstgalerie.
Besuch der Deschauer Galerie

 

Unterwegs auf dem Ziegeleiweg

Am nächsten Morgen packte ich meinen Picknickbeutel und fuhr mit dem Bus in Richtung Buttlar. Mein Weg führte mich die Ulster entlang zum alten Bahnhof in Wenigentaft. Hier begann der Ziegeleiweg – ein Themenpfad am Grünen Band, der Spuren der Industriekultur sichtbar macht. Ich sah bemooste Gleise und Schautafeln gaben mir spannende Einblicke in den einstigen Eisenbahnknotenpunkt.


 

Ein Highlight: die geführte Tour mit Gebietsbetreuer Paul Steiner. Er zeigte uns, wie die Natur sich hier am Grünen Band ihren Raum zurückerobert hat. Dort, wo einst Züge rollten, entstand ein stilles Refugium, in dem sich auch seltene Tierarten heimisch fühlen. Plötzlich tauchte ein Eisvogel auf. Mit seinem blitzschnellen Flug und leuchtend türkisblauem Gefieder segelte er über die Ulster. Zuletzt gab uns Paul den Tipp, einen Abstecher zur Buchenmühle einzuplanen – ein Ort, der Spuren der Geschichte sichtbar macht.

Zurück in Geisa ließ ich den Abend ruhig ausklingen. Ich merkte, wie gut es tat, sich einfach auf die Region einzulassen.

 

Kunst trifft Geschichte

Am Sonntag besuchte ich Point Alpha – den „heißesten Punkt des Kalten Krieges“. Original erhaltene Grenzanlagen, Zitate von Zeitzeugen, der „Weg der Hoffnung“ mit eindrucksvollen Skulpturen erwarteten mich. Ich blieb lange vor dem „Portal der Freiheit“ stehen. Ein Kunstwerk, das mehr sagt als tausend Worte.

Detailaufnahme von einem alten Grenzzaun.
Kunstwerk auf Metall und „Haus auf der Grenze“ im Hintergrund.
Kunstwerke am „Weg der Hoffnung"
Kunstwerk von Metalltoren in der Natur.
Kunstwerk „Portal der Freiheit“

Zurück im Schlosshotel holte ich mein Gepäck und nahm ein Taxi nach Hünfeld zum Bahnhof. Während der Rückfahrt merkte ich, wie viel ich gelernt habe. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.